Der Körper leitet Botschaften zum Gehirn

Wenn etwas nicht mehr so ist, wie es natürlicherweise sein sollte, meldet sich der Körper und leitet eine entsprechende Botschaft zum Gehirn. In der Regel ist dieses Signal stark genug, um im Gehirn entsprechende Reaktionsmuster auszulösen, die geeignet sind, die aufgetretene Störung abzustellen. Stark genug ist ein solches Signal aber nur dann, wenn es von der betreffenden Person nicht nur einfach wahrgenommen wird, sondern wenn sie ihm ihre Aufmerksamkeit zuwendet und die damit einhergehende Aktivierung emotionaler Bereiche nicht unterdrück. Gerald Hüther weiß: „Erst dann erlangt diese aus dem eigenen Körper kommende Botschaft auch eine subjektive Bedeutung. Jetzt erst wird sie ihr Verhalten so verändern, dass dann auch im Körper alles wieder besser zusammenpasst.“ Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.

Menschen sind zutiefst soziale Wesen

Es gibt jedoch viele Menschen, die recht gut gelernt haben, sich über diese Botschaften aus ihrem eigenen Körper und über ihre körperlichen Bedürfnisse hinwegzusetzen. Ihnen war in ihrem bisherigen Leben etwas anderes wichtiger als ihre körperliche Gesundheit. Sie haben die Wahrnehmungen dieser Botschaften deshalb zu unterdrücken gelernt. Dabei sind dazu geeignete, hemmende Netzwerke in ihrem Gehirn entstanden. Deshalb spüren solche Personen ihren Körper mit seinen Signalen auch später im Leben nicht mehr empfindlich genug.

Die von dort zum Gehirn weitergeleiteten Signalmuster haben für sie keine Bedeutung mehr. Menschen sind zutiefst soziale Wesen. Auch wenn es manche bisweilen nicht wahrhaben wollen, sind sie als Einzelwesen nicht überlebensfähig. Als kleine Kinder ohnehin nicht, aber auch später im Leben sind Menschen auf andere angewiesen. Gerald Hüther stellt fest: „Ohne sie hätten wir weder Laufen noch Sprechen gelernt, geschweige denn Lesen und Rechnen, auch nicht Fahrradfahren oder einen Computer zu bedienen.“

Menschen suchen Nähe und Geborgenheit

Jeder Mensch ist einzigartig, aber alle sind ein jeweils spezifisch ausgeformtes soziales Konstrukt. Deshalb ist es kein Wunder, dass alle Menschen Nähe und Geborgenheit, aber auch die Wertschätzung und Anerkennung anderer Menschen suchen. Wer sich von anderen nicht gesehen, nicht beachtet oder gar als abgelehnt und ausgegrenzt erlebt, in dessen Gehirn werden die gleichen Netzwerke aktiviert, die auch durch körperliche Schmerzen erregt werden.

Dieses sehr schmerzhafte Gefühl entsteht im Gehirn immer dann, wenn man mit Geschehnissen konfrontiert wird, die zwei psychische Grundbedürfnisse verletzen. Das sind zum einen das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit und zum anderen das nach Autonomie und Freiheit. Sie sind genauso stark und gehören ebenso zur menschlichen Natur wie Hunger und Durst, Beanspruchung und Erholung. Aber noch viel stärker als die Stillung dieser körperlichen Bedürfnisse hängt die Stillung dieser beiden seelischen Grundbedürfnisse von den anderen Menschen ab, mit denen man zusammenlebt. Quelle: „Lieblosigkeit macht krank“ von Gerald Hüther

Von Hans Klumbies

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