Der Genuss hat mit vielen Gegenspielern zu kämpfen

Tatsächlich ist es so, dass wohl die meisten Menschen, wenn sie das Wort „Genuss“ hören, ans Essen denken – und nicht immer nur Positives damit verbinden. Schließlich gibt es gesundes und schädliches Essen. Doch nicht nur mit dem Essen verhält es sich so. Viele Menschen sind dem Genießen gegenüber im Allgemeinen skeptisch geworden. Denn in ihrer Wahrnehmung steht Genuss viel zu oft im Gegensatz zu Gesundheit – man denke an Genussmittel wie Alkohol, Tabak oder Zucker – oder er gilt als Gegenspieler zu Produktivität, sprich er wird gleichgesetzt mit Hedonismus, Faulheit und Zeitverlust. Gleichzeitig, und das ist wohl das Interessanteste am Ganzen, sehen sich die meisten Menschen gerne als Genießer, buchen Wellnessferien, essen bewusst genussvoll, lassen sich von Gesichtsmassagen und Peelings verwöhnen, genießen ihren Ruhestand und manchmal sogar ihre Arbeit.

Ohne Genuss gibt es kein Glück

Instinktiv spüren die meisten Menschen: ohne Genuss gibt es kein Glück. Gerade bei der Ernährung gilt dies stärker, als einem lieb sein kann. Der Genuss ist aber nicht nur gesund, sondern sogar lebensnotwendig. Denn Verhalten, dass das Überleben der Spezies Mensch sichert, hat die Evolution mit Gefühlen des Glücks verknüpft. Viele Menschen lieben beispielsweise fettiges Essen, weil es ihnen einen Energieschub verschafft. Sex sichert die Nachkommen und ist deshalb so genussvoll. Bei all diesen Handlungen sorgt der im Gehirn ausgeschüttete Neurotransmitter Dopamin für einen Glückskick und steuert damit das Verhalten.

Heute weiß man, dass dem Genuss beim Essen eine weit größere Bedeutung für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit zukommt, als lange Zeit angenommen wurde. Denn die Tatsache, dass es beim Essen nicht nur um den Geschmackssinn und die damit verbundene Kalorienzufuhr geht, ist nicht zu unterschätzen. Duft, Farben, Zusammenstellung der Speisen und ein ansprechend gedeckter Tisch sind für das Wohlbefinden und die Gesundheit nicht weniger wichtig als die Vitamine und Mineralstoffe, die man zu sich nimmt.

Das Gehör ist der am meisten unterschätzte Sinn

Ein Mensch kann sich Momente des Genusses über alle seine Sinne verschaffen, die genauso wohltuend und die Gesundheit fördernd, ja sogar heilsam für ihn ist. Einer der wohl erstaunlichsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Sinne dürfte das Gehör sein. Und dies, obwohl man schon seit Jahrtausenden weiß, dass Musik eine heilende Kraft auf den menschlichen Körper ausüben kann. Mit modernen Musiktherapien werden Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Morbus Parkinson erfolgreich behandelt.

So abgedroschen die Maxime „mit allen Sinnen genießen“ auch ist, sie hat durchaus ihre Berechtigung. Egal, ob man Genuss über den Sehsinn, zum Beispiel beim Betrachten eines schönen Bergpanoramas, das Gehör, den Tastsinn oder den Geschmackssinn erlebt, er löst eine ganze Reihe von spannenden Vorgängen im Körper aus. Professor Tobias Esch erklärt: „Genuss erleben in diesem Sinne heißt, wortwörtlich, zur BeSINNung kommen, sinnlich werden. Wir lenken in diesem Moment unsere Aufmerksamkeit auf die unmittelbaren Inputs aus den Sinnesorganen.“ Quelle: 50 plus. Das Magazin für ein genussvolles Leben

Von Hans Klumbies

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