Dauerhaftes Glück gibt es nicht

Das Gefühl von Glück kann im Gehirn nur dann entstehen, wenn sich das, was man im Augenblick erlebt, sehr positiv von dem unterscheidet, was man vorher erlebt hat. Würde man in einem Schlaraffenland leben, in dem es einem an nichts fehlt, bliebe die Tür für das allerwinzigste Glücksgefühl für immer völlig verschlossen. Gerald Hüther betont: „Diesen von uns allen ersehnten Zustand, in dem wirklich alles dauerhaft zusammenpasst, werden wir niemals erreichen, solange wir noch am Leben sind. Wir brauchen diese ständigen Störungen, diese unangenehme Erfahrung, dass schon wieder etwas nicht so ist, wie wir uns das wünschen.“ Nur wer hinreichend stark unglücklich war, kann erleben, wie es sich anfühlt, nun auf einmal glücklich zu sein. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.

Glücksgefühle stärken die Fähigkeit des Gehirns zur Regeneration

Am glücklichsten macht es Menschen, wenn sie aus eigener Kraft einen Weg finden, der ihnen hilft, ihre körperlichen und seelischen Bedürfnisse immer wieder stillen zu können. Jedes Mal, wenn das gelingt, springen die Belohnungszentren im Mittelhirn an. Und es werden von den dort liegenden Nervenzellen diese besonderen Botenstoffe freigesetzt, die das Gehirn in einen Zustand versetzen, als hätte der Glückliche eine Dosis Kokain und Heroin gleichzeitig eingenommen.

Harald Hüther weiß: „Aha-Erlebnisse manchen uns glücklich, der passende Einfall, die geeignete Lösung für ein schwieriges Problem, auch eine gut gemeisterte Herausforderung oder eine gelungene Versöhnung nach langem Streit und natürlich ein endlich erreichter Erfolg nach lauter Misserfolgen.“ Wer ein solches Glücksgefühl erlebt, in dessen Gehirn kann das neuroplastische Potential, als die Fähigkeit zur Regenration und Selbstheilung, besser zur Entfaltung kommen. Das dürfte der Grund dafür sein, dass besonders „aufgeweckte“, sehr kreative Menschen mit dem, was sie tun, meist auch sehr glücklich sind.

Glückliche Menschen besitzen einen inneren Kompass

Es gibt Menschen, die schon als Kinder, dann später als Schüler und auch noch als Erwachsene immer wieder die Erfahrung machen, dass ihnen etwas gelingt, was anfangs noch sehr schwierig aussah. Oder die immer wieder eine Lösung für ein Problem finden, das sie schon längere Zeit beschäftigte. Solche Personen erleben dann nicht nur den jeweiligen Augenblick des Gelingens als ein Glücksgefühl. Sie entwickeln aus dieser wiederholt gemachten Erfahrung eine besondere innere Einstellung: die eines glücklichen Menschen.

Davon gibt es nicht allzu viele. Und man begegnet solchen Personen häufiger dort, wo das Glück nicht so leicht mit äußerem Erfolg verwechselt wird. Gerald Hüther stellt fest: „Solche Personen brauchen weder andere, die sie und ihre Besitztümer bewundern, noch brauchen sie Einfluss, Macht und Reichtum oder irgendwelche Statussymbole, Stellungen oder Positionen, um sich als wertvoll und bedeutsam zu erleben und glücklich zu sein.“ Sie verfügen über einen inneren Kompass, der ihr Denken und Handeln leitet, und sie passen auf, dass er ihnen nicht abhandenkommt. Quelle: „Lieblosigkeit macht krank“ von Gerald Hüther

Von Hans Klumbies

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