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Menschen fühlen sich oft als Hochstapler

Von Zeit zu Zeit mach sich bei vielen Menschen eine durch ein weniger lähmendes Gefühl des Zweifels geprägte Form des Hochstapler-Syndrom breit. Mehr als die Hälfte der Menschen, die man kennt, haben sich zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Berufslebens wie ein Hochstapler gefühlt. Adam Grant ergänzt: „Man nimmt an, dass dies bei Frauen und marginalisierten Gruppen besonders häufig der Fall ist. Seltsamerweise scheint es jedoch auch unter Überfliegern stark verbreitet zu sein.“ Zu Adam Grants Studenten gehören Leute, denen ein Patent erteilt wurde, noch bevor sie trinken konnten, und die Schachmeister wurden, bevor sie Auto fahren konnten. Dennoch kämpfen sie immer noch mit Unsicherheit und stellen ständig ihre Fähigkeiten infrage. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School. Er ist Autor mehrerer internationaler Bestseller, die in 35 Sprachen übersetzt wurden.

Zweifel bringen drei Vorteile

Die Standarderklärung für ihre Leistungen ist, dass sie trotz ihrer Zweifel Erfolg hatten. Doch was ist, wenn sie ihren Erfolg in Wirklichkeit gerade ihren Zweifeln verdanken? Während einer Studie mit Anlageprofis stellte Basima Tewfik fest: „Je öfter sie sich wie Hochstapler fühlten, desto besser fiel vier Monate später die Leistungsbewertung ihrer Vorgesetzen aus.“ Diese Erkenntnisse sind neu, und die Forschung muss noch viel darüber lernen, wann das Hochstapler-Syndrom von Vorteil und wann es von Nachteil ist.

Doch Adam Grant fragt sich, ob man dieses Syndrom durch seine ausschließliche Betrachtung als Störung nicht falsch beurteilt hat: „Stellen sich unsere Hochstaplerängste ein, lautet der übliche Rat, sie zu ignorieren – uns selbst einen Vertrauensbonus zu geben. Möglicherweise wäre es jedoch besser, die Zweifel bereitwillig anzunehmen, weil sie uns drei Vorteile bringen.“ Ersten kann einen Menschen das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, dazu motivieren, härter zu arbeiten.

Lernen erfordert selbstbewusste Demut

Bei einigen seiner eigenen Forschungen hat Adam Grant festgestellt, dass Selbstbewusstsein einen Menschen selbstgefällig machen kann. Wenn sich ein Mensch dagegen als Hochstapler fühlt, glaubt er etwas beweisen zu müssen. Zweiten können Hochstaplergedanken einen Menschen motivieren, klüger zu arbeiten. Dabei nimmt man die Denkweise von Anfängern an, die einen dazu bringt, Annahmen zu hinterfragen, die andere als gegeben hinnehmen. Adam Grant fügt hinzu: „Und drittens kann das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, uns zu besseren Lernenden machen.“

Gewisse Zweifel am eigenen Wissen und Fähigkeiten zu haben, holt einen Menschen von seinem Podest herunter und ermuntert ihn, voller Interesse die Erkenntnisse anderer zu verfolgen. Wie die Psychologin Elizabeth Krumrei Mancuso und ihre Kollegen schreiben: „Lernen erfordert die Demut, zu erkennen, dass man etwas zu lernen hat.“ Wer den Punkt der selbstbewussten Demut erreicht, interpretiert seine Zweifel wie folgt: Sie sind ein Hinweis darauf, dass man seine Tools verbessern muss.“ Quelle: „Think Again“ von Adam Grant

Von Hans Klumbies

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