Vierzig Prozent aller Männer waren ihren Frauen schon untreu

In praktisch allen Beziehungen gibt es Affären. Rund 25 Prozent aller Frauen und 40 Prozent aller Männer sind ihrem Partner schon untreu gewesen. Besonders der Arbeitsplatz und das Internet schaffen Gelegenheit für Freundschaften, die sich langsam und unaufhaltsam zu Liebesaffären entwickeln. Das Buch „Die Psychologie“ von Shirley P. Glass und Koautorin Jean Coppock Staeheli ist ein Ratgeber für alle, die einen Seitensprung oder Ehebruch hinter sich haben, die wissen wollen, wie sie einem Seitensprung keine Chance geben, die ihre Beziehung wieder kitten wollen, die ihren Partner verlassen haben oder verlassen wurden oder die der Grund waren, warum der neue Partner seine alte Beziehung aufgegeben hat. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

Shirley P. Glass stellt eine neue Form der Untreue vor

Shirley P. Glass bekam in ihrer Praxis in den letzten Jahren vor ihrem Tod eine neue Form der Untreue zu sehen: „Sie entwickelt sich nicht wie allgemein angenommen zwischen zwei Menschen, die auf der Suche nach Nervenkitzel sind. Die neue Untreue entsteht zwischen Menschen, die zuerst unabsichtlich eine tiefe, leidenschaftliche Verbindung eingehen, bevor sie bemerken, dass sie damit die Grenze von platonischer Freundschaft zu romantischer Liebe überschritten haben.“ Zweiundachtzig Prozent der untreuen Partner in ihrer Praxis hatten eine Affäre mit jemanden, der zuerst nur ein Freund war.

Wohlmeinende Menschen, ohne jede Intension zum Fremdgehen, betrügen nicht nur ihre Partner, sondern auch ihre eigenen Glaubens- und Wertvorstellungen und provozieren dadurch sowohl eigene innere Krisen als auch eheliche. Das Wesentliche dieser neuen Krise in der Untreue ist für Shirley P. Glass Folgendes: Es sind Freundschaften, Arbeitsbeziehungen und Internetbekanntschaften, die die Partnerschaften bedrohen. Während die Möglichkeiten solch enger Beziehungen zunehmen, wird die Grenze zwischen platonischen und romantischen Gefühlen zunehmend unschärfer und leichter zu überschreiten.

Mehr Frauen als jemals zuvor haben Affären

Vor allem der Arbeitsplatz hat sich zu einer neuen Gefahrenzone für romantische Anziehung und Gelegenheit gewandelt. Mehr Frauen als jemals zuvor haben Affären. Heutige Frauen sind sexuell erfahrener und arbeiten eher in einstmals männerdominierten Berufen. Viele ihrer Affären beginnen in der Arbeit. Das wesentliche Merkmal dieser neuen Affären ist, dass sie als Beziehungen zwischen Kollegen beginnen. Dabei ist heimliche emotionale Intimität das erste Warnzeichen drohenden Betrugs.

Viele Leute glauben fälschlicherweise, dass sich Affären vermeiden lassen, indem man sich liebevoll und mit Hingabe seinem Partner zuwendet. Shirley P. Glass nennt das den Präventions-Mythos, denn es existiert keinerlei Beweis für diese Annahme. Ihre Erfahrungen als Ehetherapeutin und Forscherin zum Themenkomplex Untreue hat ihr gezeigt, dass man eine Ehe nicht einfach dadurch schützen kann, indem man ein liebevoller Partner ist. Man muss ebenfalls ein Bewusstsein für angemessene Grenzen bezüglich der Arbeit und seiner Freundschaften entwickeln. Shirley P. Glass schreibt: „Dieses Buch wird Ihnen dabei helfen, diese Grenzen zu beachten oder, wo nötig, zu setzen. Sie werden die Warnsignale und Alarmglocken kennenlernen, auf die Sie in Ihren Freundschaften und in denen Ihres Partners achten sollten.“

Die Psychologie der Untreue
Shirley P. Glass
Verlag: Klett-Cotta
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten, Auflage: 2015
ISBN: 978-3-608-98047-9, 24,95 Euro

Von Hans Klumbies

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