Viele Menschen brauchen einen Lebensberater

Früher hing die eigene Freiheit für die meisten Menschen von den vorgefundenen Möglichkeiten ab. Und die waren gegeben und kaum verhandelbar. Wer heute in einem der westlichen Industrieländer lebt, sieht sich mit einer Überflussgesellschaft konfrontiert. In einer Welt, in der die Vielfalt des Materiellen geradezu explosionsartig angewachsen ist, brauchen viele Menschen einen guten Rat. Oder noch besser: Eine komplette Gebrauchsanweisung für ihr Leben. Anja Förster und Peter Kreuz stellen fest: „Eine ganz Ratgeberindustrie lebt genau davon und verspricht schnelle, einfache, praktische, sofort anwendbare Lösungen bei so grundsätzlichen Lebensfragen wie: Wie lebe ich? Was ist mein Weg?“ Der moderne Mensch redet nicht einfach mal mit seinem Freund oder seiner Freundin. Anja Förster und Peter Kreuz nehmen als Managementvordenker in Deutschland eine Schlüsselrolle ein.

Die Suche nach Orientierungshilfen ist menschlich

Nein, viele Menschen haben heutzutage einen Lebensberater, Energieberater, Life-Coach, professionellen Mutmacher oder was auch immer. Der Markt der Lebensorientierungen ist ein Wachstumsfeld allererster Güte für Dienstleister aller Couleurs und Klassen. Selbst vor grotesken Versprechen lassen sich die Ratsuchenden nicht abschrecken. Leicht konsumierbare Methoden und Lehren, angereichert mit Checklisten, Regeln und To-do-Listen, an die man glauben muss, und schon wird aus einer Ente ein Adler.

Anja Förster und Peter Kreuz erklären: „Das erspart das eigene Nachdenken und die oftmals mühsame Auseinandersetzung mit sich selbst.“ Die Suche nach Erfolgsmustern, Leitfäden oder Orientierungshilfen ist eine menschliche Konstante. Ebenso wie der suchende Blick auf andere Menschen, die vermeintlich wissen, wie es geht. Also schielt man darauf, was die anderen so machen. Lifestyle-Zeitschriften, Internet und soziale Netzwerke wie Facebook laden zum ständigen Vergleich ein.

Viele Menschen leiden an innerer Zerrissenheit

Überall sieht man unglaublich schöne, unglaublich erfolgreiche und unglaublich perfekte Menschen, die anderen Menschen in scheinbaren Schnappschüssen Einblicke in ihre wunderbare Welt gewähren. Natürlich ist das zu 99,9 Prozent inszeniert und viele Menschen wissen das sogar. Aber dennoch schauen sie fasziniert auf die Insignien des Erfolgs und des Glücks. Dabei geht es nicht um echte Schnappschüsse aus dem Leben, sondern um Image – also um das, wofür man gehalten werden will. Was bleibt? Ein tiefes Gefühl der Unzufriedenheit.

Die meisten Menschen haben zwar mehr Freiheit und sehr viel Optionen für ihr Leben als früher, aber gleichzeitig auch mehr Frust und innere Zerrissenheit. Die Kluft zwischen Anspruch und Kompetenz ist bei vielen Menschen einfach groß. Selbst die alltäglichsten Dinge erfordern von einem Mensch eine höhere Entscheidungskompetenz als noch vor 20 Jahren. Ständig muss man sich entscheiden und eine gewisse Unsicherheit lässt sich schlicht nicht aus den Entscheidungen herausrechnen. Quelle: „Nein“ von Anja Förster und Peter Kreuz

Von Hans Klumbies

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