Viele Liebende sind heute sehr verunsichert

Gleich aus drei Richtungen wird den Liebenden heute das Zusammenwohnen schwer gemacht. Da ist erstens der Wegfall der ehemals haltgebenden Traditionen und damit verbunden eine tiefgreifende Individualisierung der Gesellschaft. Christian Thiel erklärt: „Zwei Menschen haben heute oft sehr unterschiedliche Vorstellungen von Haushaltsführung, Ordnung, Essensgewohnheiten, Einrichtung und Schlafenszeiten.“ Wer gemeinsam in einer Wohnung wohnen will, steht aber unter dem Zwang, für einige dieser Punkte tragfähige Lösungen zu finden. Sonst nimmt die Liebe unweigerlich Schaden. Da ist zweitens die begrenzte Veränderbarkeit des Menschen. Wer gemeinsam in einer Wohnung leben will, muss sich verändern. Wer sich den Vorstellungen des anderen aber zu sehr anpasst, riskiert die Liebe. So ist es auch hier von größter Wichtigkeit, sich über die gemeinsame Schnittmenge und den nötigen Freiraum für sich selbst klar zu werden. Christian Thiel ist freier Autor und Single- und Paarberater.

Viele Paare leben noch in der traditionellen Rollenverteilung

Als drittes Kriterium nennt Christian Thiel die große Unklarheit über die Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen. Dennoch gilt: Die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau – sie führt den Haushalt, er geht einer Erwerbstätigkeit nach, hat nach wie vor Bestand. Wenn zwei Menschen zusammenziehen, offenbart sich diese Konvention oft erbarmungslos. Die Partnerschaft erleidet den sogenannten Traditionalisierungsschub. Frauen fühlen sich mit einem Mal in Haushaltsfragen zuständiger als zuvor.

Männer hingegen fühlen sich zunehmend weniger zuständig und überlassen einen Großteil der Entscheidungen und Arbeiten, die mit dem Haushalt zu tun haben, den Frauen. Einen weiteren Traditionalisierungsschub erleben Paare, wenn sie ein Kind bekommen. Sie bleibt zuhause, und schon bleibt die Hausarbeit komplett an ihr hängen. Und wenn sie wieder arbeiten geht, ist diese Aufteilung schwer aufzulösen. Viele Menschen können es dennoch gar nicht erwarten, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen.

Christian Thiel warnt vor zu schnellem Zusammenziehen

Sich zu lieben, bedeutet in ihren Augen, den Alltag zu teilen. Und das so schnell wie möglich. So setzen viele Paare beim Zusammenziehen auf das Tempo. Nach drei Wochen, spätestens nach drei Monaten, soll der gemeinsame Haushalt Wirklichkeit sein. Christian Thiel warnt vor solcher Eile: „Das Ergebnis ist häufig absehbar: Zank, Streit, Überforderung. Und schon versiegen die liebenden Gefühle. Es war wohl doch nicht der Richtige!“ Doch beim nächsten Mann, bei der nächsten Frau wird gar nichts anders.“

Christian Thiel rät Paaren, sich ein langsames Wachsen der Liebe und eine zunehmende Nähe zum Partner zu gönnen. Man sollte sich dafür genau die Zeit nehmen, die man dazu braucht. Jeder sollte sich die Zeit nehmen, ein eigenes Modell für das Leben und die Liebe zu finden. Man sollte Christian Thiel glauben, der betont: „Viel zu viele Paare tun das nicht und scheitern deshalb Mal um Mal.“ Es kann auch überhaupt nicht schaden, das Zusammenwohnen erst einmal zu proben. Die eigene Wohnung sollte dabei auf keinen Fall aufgegeben werden. Quelle: „Was glückliche Paare richtig machen“ von Christian Thiel

Von Hans Klumbies

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