Das Leben ist eine einzige Manipulation

Über Manipulation sagte der Hypnosetherapeut Milton H. Erickson: „Man hat mir vorgeworfen, Menschen zu manipulieren, worauf ich antworte: Jede Mutter manipuliert ihr Baby, wenn sie möchte, dass es überlebt. Und jedes Mal, wenn du einkaufen gehst, manipulierst du den Angestellten, deinen Anweisungen zu folgen. Und wenn du ins Restaurant gehst, manipulierst du den Kellner. Und der Lehrer in der Schule manipulierte dich, damit du lesen und schreiben lerntest. Das Leben ist eine einzige große Manipulation.“ Thorsten Havener definiert die Manipulation wie folgt: „Der Begriff Manipulation setzt sich zusammen aus den lateinischen Wörtern „manus“ (Hand) und „plere“ (füllen).“ Schlicht übersetzt heißt es also „eine Handvoll (haben)“ und „etwas in der Hand haben“. Übertragen würde es Thorsten Havener mit „Handgriff“ oder auch „Kunstgriff“ übersetzen. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

Jede Manipulation ist eine Beeinflussung

So kommt Thorsten Havener der Sache schon näher: ein Kunstgriff, der zum Handeln bewegt. Sobald einen Menschen etwas zum Handeln bewegt, geht es ja um Beeinflussung. Wann aber wird die Beeinflussung zur Manipulation? Zunächst ist Beeinflussung der Überbegriff – Manipulation der Unterbegriff. Damit ist jede Manipulation eine Beeinflussung. Aber nicht jede Beeinflussung ist auch Manipulation! In ihrer Studienarbeit „Kommunikation und Manipulation“ trennt Sabine Körting die Begriffe sehr scharf und anschaulich.

Sabine Körting schreibt: „Jede Kommunikation ist Beeinflussung. Manipulation hingegen ist kalkulierte Beeinflussung. Kalkuliert darf hierbei nicht mit bewusst verwechselt werden.“ Wenn eine Person eine andere manipuliert, heißt das also immer, dass der Empfänger der Manipulation – man könnte auch sagen das „Opfer“ – kalkuliert beeinflusst wird und als Folge der Beeinflussung nicht aus eigenen Überzeugungen handelt, sondern aus denen des Manipulators. Es gibt zwei Arten von Manipulation: punktuelle und umfassende Manipulation. Bei beiden verliert das Opfer seinen freien Willen.

Der Kern der Manipulation ist die Täuschung

Bei der punktuellen Manipulation geht es darum, beim Gegenüber eine bestimmte Sache zu erreichen. Thorsten Havener erläutert: „Hierzu werden bestimmte Schwachpunkte unseres Denkens genutzt, um gezielt ein gewünschtes Verhalten beim Opfer auszulösen.“ Das kann durchaus auch eine gute Sache sein, wenn zum Beispiel Menschen durch eine groß angelegte Kampagne dazu gebracht werden, umweltbewusster zu handeln. Die umfassende Manipulation ist dagegen deutlich seltener.

Dabei geht es darum, jemanden derart zu beherrschen, dass er komplett das tut, was man will. Bei dieser Art der Manipulation wird die Fähigkeit des Gegenübers, vernünftig abzuwägen, umgangen oder ausgeschaltet. Manipulation ist immer ein „Austricksen“, es wird getäuscht, um die Grundlagen für vernünftiges Abwägen auszuschalten. Der Kern der Manipulation ist also die Täuschung, die bewusste Irreführung der Mitmenschen mit dem Ziel, sie zu einer gewünschten Handlung zu bewegen. Quelle: „Mach doch, was ich will“ von Thorsten Havener

Von Hans Klumbies

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