Der Zufall bietet ungeahnte Chancen

Zunächst ist der Zufall weder gut noch schlecht. Es gibt glückliche Zufälle, auf die niemand verzichten will. Oder er ist beides. Reinhard K. Sprenger weiß: „Für die Evolution hingegen ist der Zufall eindeutig gut – als Überlebensprinzip. Die Biologie liebt die kleinen Kopierfehler bei der Herstellung von Imitationen. Über Sex werden die Erbanlagen zweier Individuen zufällig gemischt und auf gemeinsame Nachkommen verteilt.“ Die Bandbreite möglicher Varianz erhöht sich damit exponentiell. Das wiederum ist wichtig gegen evolutionäre Wettbewerber. Sie können sich umso schlechter auf jemanden einstellen, der häufig die Form wechselt. Dasselbe gilt für ökonomische Akteure: Wirtschaftlich erfolgreich sind jene, die nicht ausrechenbar sind. Die Chancen sehen, die der Zufall bietet. Und handeln. Ersteres tun manche, das zweite ist seltener. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

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Zufall und Pech befreien von Schuldgefühlen

Etwas als Zufall, als Pech akzeptieren zu müssen, hat Menschen früher wie heute zwar frei von Schuldgefühlen gemacht. Gleichzeitig wurden sie jedoch hilflos und ängstlich. Immerhin könnte es dann einem selbst jederzeit auch passieren und man kann nichts dagegen tun. Helga Kernstock-Redl erläutert: „Inzwischen wurden in Gesundheitsfragen viele, echte Kausalzusammenhänge erforscht, manche Risikofaktoren gefunden, die Wahrscheinlichkeiten erhöhen. Doch noch immer ist manches unerklärbar und vieles unbeeinflussbar.“ „Glücklicherweise“ werden alle Menschen einmal krank und entwickeln hoffentlich mehr Verständnis, auch mit uns selbst. Denn es hat mit Sicherheit noch niemanden gesünder gemacht, in der Enttäuschung darüber unterzugehen: „Aber ich habe doch alles richtig gemacht“, oder sich selbst mit aggressiven Schuldzuweisungen zu überhäufen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.

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