Überall spüren Menschen die negativen Folgen einer allgemeinen Überforderung. Doch anstatt das Problem an der Wurzel zu packen und die Arbeit wieder humaner zu gestalten, klebt man das Purpose-Pflaster darüber und hofft, dass die Wunde sich von selbst schließt. Ingo Hamm weiß: „Das tut sie nicht. Der Purpose beseitigt keine Missstände, er vertuscht sie. Der Purpose ist Opium des Volks und damit in bester Gesellschaft.“ Während der gesamten Kulturgeschichte der Menschheit haben staatliche, gesellschaftliche und religiöse Institutionen sich aufgeschwungen, den Menschen einen Lebenssinn aufzudrängen. Erschöpft sich der Sinn eines Menschenlebens etwa darin, alle vier Jahre eine technische Errungenschaft zu kaufen, welche die Welt retten soll? Das ist doch keine Sinngebung. Dr. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.
Selbstverantwortung
Das Schicksal lässt sich nicht ausschalten
Der Satz „Erkenne dich selbst“ stand in der Antike über dem Eingang zum Orakel von Delphi. Er zielte auf die Einsicht des Menschen in seiner Begrenztheit ab und galt als Warnung vor der Überschätzung individueller Möglichkeiten. Andreas Salcher weiß: „Den Lebenszyklus des Mehr und Weniger kann man genauso wenig abschaffen wie den Wechsel der Jahreszeiten.“ Es ist auch nicht möglich, das Schicksal durch administrative Maßnahmen abzuschaffen. Rückschläge sind jederzeit möglich, auch wenn dies manche Sozialbüroraten nicht wahr haben wollen. Im Leben wird es immer Kündigungen, Scheidungen, Kränkungen und Ungerechtigkeiten geben. Das meiste davon kann man nach einiger Zeit bewältigen. Wirklich gefährlich ist alles, das den Kern der eigenen Persönlichkeit trifft. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Anja Förster und Peter Kreuz halten nichts von Lebensrezepten
Gerade die Selbstverantwortung und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sind die Voraussetzungen für ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Anja Förster und Peter Kreuz raten, bei allen Lebensentscheidungen, ob groß oder klein, generell auf das Rückgaberecht zu verzichten. Denn wer die Tatsache seiner natürlichen Wankelmütigkeit schon von vorneherein in seine Entscheidungen einpreist, indem er sich schon während der Entscheidung zugesteht, diese irgendwann in Zukunft wieder zurückzunehmen, stellt sich selbst ein Bein. Ein solches Entscheiden ohne wirklich zu entscheiden trägt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in sich. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, dass man tatsächlich unglücklich mit seiner Entscheidung wird, seine Meinung ändert und alles rückgängig machen will. Denn man lässt sich nie vollständig auf seine Wahl ein. Anja Förster und Peter Kreuz nehmen als Managementvordenker in Deutschland eine Schlüsselrolle ein.