Ingo Hamm macht sich nichts vor: „Freizeit ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Noch unsere Eltern erholten und entspannten sich gut in ihrer Freizeit. Nach Feierabend legte man die Beine hoch oder vergnügte sich gesellig – totales Abschalten.“ So erfanden etliche Industriekonzerne für ihre Mitarbeiter bereits vor Jahrzehnten sogenannte Feierabendhäuser. Diese dienten ausschließlich zur Bespaßung und Rekreation der ausgelaugten Belegschaft. Und zwar nach Feierabend und schon während der Arbeit. Essenssaal statt Espressomaschine, Konzert statt Kicker. Aber das ist vorbei. Dem Optimierungszwang sind viele Menschen nicht mehr nur am Arbeitsplatz ausgesetzt, sondern seit Jahren intensiv auch im Privaten. Wenn man zum Beispiel joggt, dann muss es mit Puls-Uhr und Lauf-App sein. Dr. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.
Selbstoptimierung
Die gnadenlose Selbstoptimierung ist in
Viele Menschen blicken heutzutage verunsichert in die Zukunft. Sie wissen nicht, an welche Institutionen oder Werte sie sich halten können. Deshalb suchen sie ihr Heil häufig in einer gnadenlosen Selbstoptimierung. Ulrich Schnabel weiß: „Denn das Konkurrenzprinzip, das dem Kapitalismus zugrunde liegt. Er treibt den Einzelnen in einen steten Wettbewerb mit allen anderen.“ Dabei konkurriert man nicht nur um die besten Arbeitsplätze, sondern auch um die schönsten Wohnungen, die attraktiveren Partner, das lässigste Outfit, das stählernste Sixpack, die meisten Likes auf Facebook. Anstelle des sozialen Zusammenhalts und des Wir-Gefühls treten der eifersüchtige Vergleich mit anderen. Dazu kommt die stete Sorge, ob das eigene Ich diesem Vergleich standhält. Leider kennt die Sozialpsychologie eine sehr unschöne Methode, um in solchen Situationen das eigene Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Sie nennt ihn den „abwärtsgerichteten sozialen Vergleich“. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.