Rechtspopulisten sind unterkühlte Männer

Für Rechtspopulisten ist autoritäre Männlichkeit die Lösung für alles, wovon sie sich bedroht fühlen. Tobias Haberl kennt diese vermeintlichen Bedrohungen: „Muslimische Flüchtlinge, gierige Techkonzerne, lästige Gendersternchen, tätowierte Frauen mit Nasenring, nervige Veganer, aufmüpfige Klimaaktivisten und das permanente Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren.“ Manchmal können sie an gar nichts anderes mehr denken, wie man nicht mehr von einem Gemälde wegschauen kann, das leicht schief an der Wand hängt. Weil sie die Gegenwart als „ver-rückt“ empfinden, nehmen sie Zuflucht bei verklärten Erinnerungen an die Vergangenheit, von denen sie sich trösten lassen. Im Gegenzug verteufeln sie die Generation „Greta“ und überhaupt alle, die ihnen ihre Erinnerungen nachträglich vermiesen wollen. Der Literaturwissenschaftler Tobias Haberl schreibt für das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Sein letztes Buch „Die große Entzauberung – Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen“ wurde ein Bestseller.

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Toleranz schließt Missbilligung mit ein

Viele Menschen denken bisweilen, der Respekt vor den aus anderen Kulturen Geflüchteten zeige sich darin, dass die Einheimischen alle Augen zudrücken. Herbert Renz-Polster ist anderer Ansicht: „Aber das ergibt keinen Sinn. Man kann tolerant sein – also etwas im Wortsinne „erdulden“ – und es trotzdem missbilligen.“ Wenn den Antisemitismus bei Flüchtlingen kritisiert, ist deshalb noch langen nicht „islamophob“. Und man ist auch kein Neuer Rechter, nur weil man auf das „sexuelle Elend der arabischen Welt“ hinweist. Und ja, man kann Schwule und Juden verstehen, wenn sie über die tief verwurzelten Homophobie oder den Antisemitismus bei manchen Geflüchteten entsetzt sind. Denn sie fragen sich, ob jetzt vielleicht „wieder alles von vorne losgeht“. Der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster hat die deutsche Erziehungsdebatte in den letzten Jahren wie kaum ein anderer geprägt.

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