Das tiefe Wissen einer Kultur offenbart sich in den Worten, die von den dort lebenden Menschen für die von ihnen wahrgenommenen Phänomene gefunden worden sind. „Lieblosigkeit“ ist so ein besonderes Wort. Gerald Hüther weiß: „Lieblosigkeit macht Menschen unglücklich, zerstört Beziehungen, untergräbt Vertrauen und, ja, macht eben auch krank.“ Über viele Generationen hinweg haben die Vorfahren der heute lebenden Menschen das immer wieder beobachtet. Irgendwann haben sie dann diesen einen, alles umfassenden Begriff der „Lieblosigkeit“ gefunden. Das ist interessant. Aber wirklich spannend wird es, wenn man nun nach einem Begriff sucht, der zum Ausdruck bringt, was einen Menschen gesund macht. Der müsste ja das Gegenteil von Lieblosigkeit bezeichnen. Aber „Liebevollheit“ oder „Liebhaftigkeit“ gibt es in der deutschen Sprache nicht. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.