In ihrer langjährigen Tätigkeit als Gerichtssachverständige war Heidi Kastner immer wieder mit definitionsgemäß intelligenzgeminderten Menschen konfrontiert, die irgendwelche Straftaten begangen hatten. Bei keinem einzigen von ihnen war die Intelligenz das zentrale Problem. Meist waren es ganz banale, alltägliche Beweggründe wie Gier, Wichtigtuerei oder die Unwilligkeit, Grenzen zu akzeptieren, ausschlaggebend dafür, dass sie mit dem Gericht in Kontakt kamen. Forest Gump ist für Heidi Kastner die moderne Version des einfältigen Parzival, der auf der Suche nach seinem Gral durch sämtliche weltpolitische Ereignisse seiner Zeit stolpert, ohne sich im Geringsten beeindruckt zu zeigen. Er weiß aber immer was er will und kann dabei auch immer auf seinen moralischen Kompass vertrauen. Er formuliert, dass „dumm ist, wer Dummes tut“. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklink Linz.
Intelligenz
Der IQ bestimmt die Intelligenz
Lange Zeit stritt man in Fachkreisen herum, ob die Dummheit Voraussetzung oder Folge psychischer Erkrankungen sei oder ob die Intelligenzstörung als Prinzipienfrage zu behandeln wäre. Heidi Kastner erläutert: „Manche erblickten ihren Ausgangspunkt im Auftreten von Wahnideen mit derart verquerer Logik, wie sie ein gesundes, mit allen üblichen Fähigkeiten ausgestattetes Gehirn wohl unmöglich ersinnen konnte.“ Der Mensch wurde also wahnsinnig und erst dadurch dumm. Andere wie der Psychiater Theodor Kirchhof, Ende des 19. Jahrhunderts, sahen den Schwachsinn als unabdingbare Voraussetzung solcher Phänomene. Der Mensch war also schwach-sinnig und entwickelte deshalb wahn-sinnige Ideen. Der Psychiater Eduard Hitzig schrieb 1895 dazu: „Die beim Querulanten beherrschende Wahnvorstellung, rechtlich benachteiligt zu sein, kann Folgen wie den eigenen Ruin natürlich nur nach sich ziehen, wenn ein gewisser Schwachsinn zugrunde liegt, der eine vorurteilslose Abwägung der Verhältnisse unmöglich macht.“ Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklink Linz.
Intelligenz ist mehr als erlerntes Wissen
Kaum jemand würde es sich wohl nicht zutrauen zu beurteilen, was intelligentes Handeln ausmacht oder welche Verhaltensweisen als intelligent einzustufen sind. Jakob Pietschnig ergänzt: „Auf die Frage, was Intelligenz denn eigentlich wirklich sei, hätten jedoch nur wenige eine passende Antwort.“ Viele Menschen würden zögern, Intelligenz als die Fähigkeit zu bezeichnen, richtige Antworten auf Wissensfragen geben zu können. Intelligenz ist mehr als das. Faktenwissen hat dennoch allem Anschein nach mit Intelligenz zu tun. Letztere lässt sich allerdings nicht auf ein bloßes Reproduzieren von Gelerntem beschränken. Man tastet sich mit Synonymen an den Begriff „Intelligenz“ heran. Zu einer gültigen Definition kommt man mit ihr ihnen jedoch auch nicht. So stellt „Begabung“ eine Voraussetzung für den Erwerb von bestimmten Fähigkeiten dar. Jakob Pietschnig lehrt Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Wien.
Die Dummheit kennt viele Varianten
Die Dummheit kommt in vielen Formen vor. Deshalb ist sie manchmal schwer zu erkennen. So unsicher wie die Definition ist schon die Herkunft des Worts, das man in der deutschen Sprache seit dem 9. Jahrhundert verwendet. Es dient dazu, um sowohl Törichte als auch Taube zu beschreiben. Heidi Kastner stellt fest: „In unserer Zeit, die sich die Vermessung der Welt zwecks besserer Beherrschung derselben auf die Fahnen geschrieben hat, hat das Bedürfnis, möglichst alles in klare, vergleichbare und vermeintlich untrügliche Zahlen zu fassen, auch vor der Dummheit nicht haltgemacht.“ Das hat der Menschheit allerlei Methodik zur Bezifferung der Intelligenz beschert, um zwischen dummen und intelligenten Menschen fundiert unterscheiden zu können. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklink Linz.
Intelligenz findet im Gehirn statt
Zunächst hält Jakob Pietschnig fest, dass Intelligenz ein Prozess ist, der grundsätzlich im Gehirn stattfindet. Das erscheint heute als selbstverständlich, und keine seriöse wissenschaftliche Quelle würde diese Annahme in Abrede stellen. Historisch gesehen ist dieser Konsens allerdings nicht so alt, wie man das möglicherweise vermuten würde. Jakob Pietschnig blickt zurück: „Schon die alten Ägypter wussten um die 3.000 Jahre vor Christus, dass Kopfverletzungen mit Sprachverlust einhergehen können.“ Zu dieser Zeit herrschten zahlreiche bewaffnete Konflikte. Kriegsverletzungen wiesen darauf hin, dass Schädeltraumata der kognitiven Fähigkeiten von Menschen beeinflussen können. Trotzdem wurde in dieser Zeit das Gehirn als Sitz der geistigen Fähigkeiten nicht erkannt. Jakob Pietschnig lehrt Differenzielle Psychologie und psychologische Diagnostik am Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung in Wien.
Einige Grundgefühle sind angeboren
Die Bedeutung von Emotionen und Affekten für das menschliche Verhalten hat man lange unterschätzt. Verstand und Intelligenz galten als höchste Stufe der menschlichen Entwicklung. Dagegen sind Gefühle als unbestimmt, unbeschreibbar und unkalkulierbar abgetan worden. Reinhard Haller stellt fest: „Diese auch in der kriminologischen Wissenschaft verbreitete Meinung hat sich in den letzten Jahren völlig verändert.“ Man hat erkannt, dass Emotionen das Wesen eines Menschen ganz entscheidend bestimmen. Sie sind überlebenswichtig und es gibt auch so etwas wie eine emotionale Intelligenz. Die Wissenschaft geht davon aus, dass verschiedene Grundgefühle angeboren sind. Jedes Gefühl wird von festgelegten Schaltkreisen des Gehirns gesteuert. Reinhard Haller zählt zu diesen Grundgefühlen Freude, Trauer, Angst und Scham. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.