Resilienz hilft bei der Bewältigung von Krisen

Unter Resilienz versteht man die Widerstandsfähigkeit, die man braucht, um Ausnahmesituationen und Krisen zu bewältigen. Markus Hengstschläger fügt hinzu: „Eine Bewältigungsstrategie – Coping – beruht unter anderem darauf, in solchen Situationen auf stabile Ressourcen zurückgreifen zu können.“ Folglich kann man Resilienz in unsicheren Situationen dadurch unterstützen, dass man laufend parallel bewährte stabile Konzepte verfolgt, auf die man immer wieder zurückgreifen kann. Durch die Wechselwirkung zwischen dem erwünschten Fehlermachen und der Verarbeitungsmöglichkeit von Rückschlägen kommt ein Prozess in Gang, bei dem man Resilienz erlernen kann. Das Experimentieren erlaubt es dem Menschen, Rückschläge als Instrumente der Weiterentwicklung zu akzeptieren und Schritt für Schritt die persönliche Resilienz zu erweitern. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

„Extra Miles“ gehen über das offensichtlich notwendige hinaus

Für eine hohe Innovationskraft von Menschen und Unternehmen ist zweifelsfrei die Wechselwirkung zwischen harter Arbeit und Kreativität notwendig. „Extra Miles“ zu gehen bedeutet nicht, dass man so viel macht, wie notwendig ist, um sein Ziel wahrscheinlich zu erreichen. Es bedeutet auch nicht, dass man beobachtet, wie hart die anderen arbeiten und es dann genauso macht. „Extra Miles“ zu gehen, steht dafür, mehr als das offensichtlich notwendige zu machen.

Markus Hengstschläger weiß: „Innovationskraft wird durch die entsprechende Kultur von Fehlertoleranz, Experimentierfreudigkeit, Kooperationsgeist und flachen Hierarchien, in der man keine Angst davor hat, seine Meinung zu sagen, begünstigt.“ Um das in Unternehmen erfolgreich umsetzen zu können, braucht es aber gleichzeitig strenge Disziplin, schonungslose Offenheit, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und Führungsstärke ohne Nachsicht bei Inkompetenz. Wann immer man allerdings über „Extra Miles“ diskutiert, muss man unmittelbar zwei wichtige Aspekte ansprechen. Erstens: Wer 24/7 auf 50 Prozent ist, ist niemals auf 100 Prozent. Zweitens: Das unbeschäftigte Gehirn ruht nicht.

Man muss nicht Tag und Nacht erreichbar sein

Die Abkürzung 24/7 – twenty-four seven – steht dafür, dass jemand 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, also rund um die Uhr, erreichbar ist beziehungsweise für ein Projekt arbeitet. Markus Hengstschläger erklärt: „Wenn sich 24/7 auf die Erreichbarkeit eines Systems oder einer Einrichtung wie etwa Polizei, Rettung, Feuerwehr, Krankenhäuser, Nothandwerksdienste oder Bankautomaten bezieht, macht es natürlich Sinn.“ Der digitale Wandel hat aber eine Erwartungshaltung geschürt, gegen die sich der Homo sapiens zur Wehr setzen muss.

Aus verschiedensten Gründen ist es abzulehnen, dass man alle Aspekte der Schnelllebigkeit unserer Zeit noch verstärkt, indem man von jedermann erwartet, Tag und Nacht über seine digitalen Devices erreichbar zu sein. Außerdem scheint eine Strömung zurzeit deshalb in Verruf zu geraten, weil sie von so manchen einfach übertrieben interpretiert und umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um das Konzept „Work-Life-Balance“. Markus Hengstschläger erläutert: „Eigentlich soll es dabei um die Erreichung eines zutiefst begrüßenswerten Zustandes gehen, bei dem Privat- und Arbeitsleben im Einklang stehen.“ Einige befürchten, immer öfter auch lautstark, dass sich in unserer Zeit das Verhältnis zunehmend weg von „Work“ in Richtung „Life“ verschiebe. Quelle: „Die Lösungsbegabung“ von Markus Hengstschläger

Von Hans Klumbies

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