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Die Bedeutung der Mutter ist gigantisch

Aus der gesamten Entwicklungspsychologie ist die Bedeutung der elterlichen, insbesondere der mütterlichen Emotionen für das Kind bekannt. Vor allem die Zuneigung vonseiten der Mutter ist von höchster Bedeutung, da diese für die Ausgestaltung des Gefühllebens maßgebend ist. Reinhard Haller betont: „Keine der Wurzeln des Bösen ist so stark, wie es Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern durch Väter und insbesondere durch die Mütter sind.“ Unter Kindesmisshandlung versteht man gewaltsame psychische oder physische Beeinträchtigungen von Kindern durch ihre Eltern und Erziehungsberechtigten. Diese Beeinträchtigungen können durch konkrete Handlungen, etwa sexuellen Missbrauch und körperliche Misshandlung, oder durch Unterlassungen, vor allem emotionaler und physischer Natur, zustande kommen. Misshandlungen im engeren Sinne umfassen jene Fälle, in denen die Kinder körperlich verletzt werden, etwa durch Schläge, Stöße, Schütteln, Verbrennungen oder gar Stiche. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

Kindesmisshandlungen werden immer weniger gebilligt

Über die Häufigkeit lassen sich nicht einmal verlässliche Angaben machen, da die meisten Fälle nicht bekannt und angezeigt werden. Studien zeigen, dass circa die Hälfte bis zwei Drittel der deutschen, österreichischen und schweizerischen Eltern ihre Kinder körperlich bestrafen, obwohl 85 Prozent der Eltern bei Befragungen für eine gewaltfreie Erziehung plädieren. Oft stellt Kindesmisshandlung, die gesellschaftlich glücklicherweise immer weniger gebilligt wird, den Endpunkt eskalierender Konfliktsituationen dar.

Vater oder Mutter schlagen dann ihre Kinder aus Ohnmacht und Wut oder nehmen kindliches Verhalten als Anlass für ihre Aggressionsabfuhr. Reinhard Haller ergänzt: „Die Überforderung vieler Eltern im Umgang mit schwierigen Kindern wird dadurch belegt, dass das Risiko für Misshandlungen bei geistig und körperlich behinderten Kindern mehr als drei Mal höher liegt. Dies ist nicht nur tragisch, sondern eine besonders verwerfliche Form des Bösen.“

Misshandlungen gibt es in enorm vielen Varianten

Misshandlungen im weiteren Sinne, also auch solche emotionaler Natur, sind vielleicht weniger verpönt, werden aber häufiger praktiziert. Dazu gehören Bestrafung durch Liebesentzug, ständiges Schimpfen und sexuelle Schädigungen ohne direkten oder intensiven Körperkontakt, wie zum Beispiel gemeinsames Betrachten von Pornofilmen, Berühren der Brust eines Mädchens oder sexualisiertes Küssen. Psychische Misshandlungen bestehen ferner in allen Handlungen oder Unterlassungen der Erzieher, welche die Kinder ängstigen, überfordern und ihnen das Gefühl der Wertlosigkeit vermitteln.

Dazu gehören die fehlende emotionale Verfügbarkeit, die Ablehnung und Abwertung des Kindes, das ständige Zuschreiben negativer Eigenschaften, der mangelnde Schutz vor traumatischen oder verwirrenden Erfahrungen oder die Instrumentalisierung der Kinder für elterliche Bedürfnisse. Reinhard Haller betont: „Wenn Kinder zwischen die Fronten elterlicher Auseinandersetzungen geraten und emotional erpresst werden, ist dies besonders schwierig. Zu Recht zählt man zur psychischen Beeinträchtigung auch die Gewaltausübung durch Worte, die man als „verbale Misshandlung“ bezeichnet.“ Quelle: „Das Böse“ von Reinhard Haller

Von Hans Klumbies

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