Mentoren sind Gold wert

Zu den wichtigen Komponenten eines Lernerfolgs zählt die Bereitschaft zur Nachahmung. Erfolgreiche Vorbilder geben Orientierung in Fragen, welche die Zukunft betreffen. Denn sie können auf Erfahrungen in der Vergangenheit zurückgreifen, über die man selbst nicht verfügt. Jens Weidner weiß: „Jeder, der bei seinem Aufstieg Mentoren an seiner Seite hatte, weiß: Mentoren sind Gold wert. Denn an ihnen kann man sich orientieren, sie öffnen Türen, sie weisen die Richtung und sie warnen vor Fallstricken.“ Im Gegenzug wünschen sich viele Mentoren, dass man ein bisschen so wird wie sie, ein wenig geklont, voller Sympathie und Bewunderung für den Mentor. Das ist die Währung, die man für ihre Hilfestellung zahlt. Optimisten zahlen diesen Preis gerne. Denn das, was sie an Expertise, Kontakten und Berufserfahrung zurückbekommen, ist von unschätzbarem Wert für ihre gute Zukunft. Jens Weidner ist Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie.

Die Orientierung am Machtvollen ist attraktiv

Ein Wert, mit dem man behutsam umgehen muss, denn Mentoren leiden schnell unter den selbstständigen Entscheidungen ihrer Schützlinge. Jens Weidner erläutert: „Nicht, weil diese Entscheidungen schlecht sind, sondern weil sie ein Zeichen für den sinkenden Einfluss auf den Schützling sind. Mentoren haben es häufig nicht gelernt, mit diesem Einflussverlust umzugehen.“ Bis es aber dazu kommt, gilt die goldene Regel des Imitationslernens: Je kraftvoller, attraktiver, fairer und mächtiger ein Mentor erscheint, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich an ihm orientiert.

Diese Orientierung am Machtvollen ist attraktiv. Denn es hilft beim Überleben in der Geschäftswelt, in der der Wettbewerb zum Alltag zählt. Es geht ums Gewinnen und Verlieren. Und vor allem Optimisten wollen gewinnen, denn das steigert ihre gute Laune und ihre Perspektive für die Zukunft. Sie haben gelernt, Krisen zu antizipieren, können mehrere Schachzüge vorausdenken oder sie intuitiv erfassen. Sie sind deshalb zum Beispiel nicht bereit, die absehbare „verbrannte Erde“ eines Kollegen zu akzeptieren.

Optimisten lieben das Rosarot

Jens Weidner schreibt: „Sie werden ihn eindringlich bitten, von seinem problematischen Plan Abstand zu nehmen wenn das nicht hilft, werden sie ihn so ins Abseits manövrieren, dass seine pessimistischen Beiträge nicht mehr die Stimmung im Team verderben.“ Wenn das nicht reicht, werden sie versuchen, ihn loszuwerden, ihn zu versetzen oder in andere Projekte abzuschieben, um nicht in seine Abwärtsstrudel gerissen zu werden. In dieser Reihenfolgen, wie im Fußball: ermahnen, gelbe Karte, rote Karte.

Optimisten lieben das Rosarot, aber sie sind nicht blöd, sondern beeindrucken mit ihrer Antizipationsfähigkeit. Optimisten entwickeln durch ihr Modelllernen zunächst eine Art Patchwork-Identität, eine Persönlichkeits-Cocktail, dessen Zutaten sich aus den Eigenschaften erfolgreicher Vorbilder zusammensetzen, ohne dass dabei natürlich die Anteile der eigenen Persönlichkeit vernachlässigt werden. Jens Weidner weiß: „Sagen Sie mir, wer Ihre Vorbilder sind, und ich sage Ihnen, was Sie schätzen.“ Quelle: „Optimismus“ von Jens Weidner

Von Hans Klumbies

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