Lucy F. Jones stellt die Biophilie vor

Edward Osborne Wilson studierte das Sozialleben der Ameisen nahezu obsessiv und veröffentlichte schließlich diverse preisgekrönte Bücher und biologische Studien. Zweimal gewann er für seine Bücher den Pulitzer-Preis, für „On Human Nature (1979) und „The Ants“ (mit Bert Hölldobler, 1990) sowie 1976 die National Medal of Science. Lucy F. Jones ergänzt: „1984 löste sein Buch „Biophilia“ einen Boom in der Naturtherapie aus, ebenso in biophilem Design, biophiler und dem Forschungsfeld von Natur und Gesundheit im weiteren Sinne.“ Der Text behandelt verschiedene Themen: Er ist ein Manifest für eine neue Ethik der Bewahrung angesichts der beginnenden Biodiversitätskrise, die bereits 1984 spürbar war. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

Ohne Natur verkümmert der Mensch

Die zentrale Frage von Edward Osborne Wilson lautet: „Riskiert die Menschheit mit der Ausbeutung der Natur ihre geistige Gesundheit?“ Das Konzept der Biophilie beschreibt Wilsons Überzeugung, dass Menschen eine ihnen eigene, emotionale Zugehörigkeit zu allem Lebenden, zu lebensähnlichen Prozessen und anderen Organismen empfinden. Lucy F. Jones erklärt: „Wir Menschen, argumentiert Wilson, brauchen die Natur nicht nur zur Nahrungsgewinnung. Wir haben ein evolutionär bedingtes Bedürfnis nach Naturverbundenheit.“

Die Verbindung zur Natur sorgt für das kognitive, mentale, emotionale und spirituelle Wachstum eines Menschen. Ohne Kontakte zur Natur würden die Menschen verkümmern. Edward Osborne Wilson präsentiert in „Biophilia“ keine Beweise im streng empirischen Sinne. Es ist – und bleibt – eine Hypothese. Er argumentiert, die menschliche biophile Tendenz sei „im täglichen Leben so offensichtlich und weit verbreitet“, dass es jeden hellhörig machen sollte. Es kann kein Zufall sein, dass Menschen Flora und Fauna schon immer geliebt, angebetet und zelebriert haben.

Früher lebten die Menschen in engstem Kontakt mit der Natur

Edward Osborne Wilson schreibt: „Die biophile Tendenz … verläuft quer durch die Kultur der meisten, vielleicht aller Gesellschaften … sie ist zu stringent, als dass man sie als das Ergebnis rein historischer Ereignisse abtun könnte, die sich auf einem mental unbeschriebenen Blatt abgespielt haben.“ Ein Argument von Wilson baut darauf auf, wo die menschliche Evolution stattgefunden hat. Er betrachtet den ursprünglichen Lebensraum des Menschen aus dieser evolutionären Perspektive, also wo sich die Gehirne der Menschen zwei Jahrtausende lang entwickelt haben.

In dieser Zeit lebten die Menschen in engstem Kontakt mit ihrer natürlichen Umgebung. Edward Osborne Wilson betont: „Schlangen waren wichtig. Der Geruch von Wasser, das Summen einer Biene, die Neigung eines Pflanzenstils, als das war wichtig.“ Er schlussfolgert, dass die Vorfahren der heutigen Menschen mit anderen Organismen tief vertraut waren, mit Raubieren, Beutetieren und fremden Revieren, da sich 99 Prozent der Menschheitsgeschichte in Gemeinschaften von Jägern und Sammlern abgespielt haben. Quelle: „Die Wurzeln des Glücks“ von Lucy F. Jones

Von Hans Klumbies

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