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Der Aufenthalt in der Natur ist gesund

Erst im letzten Jahrzehnt haben Neurowissenschaftler versucht zu erklären, warum sich Menschen nach einem Spaziergang im Wald besser fühlen. Vielleicht, weil die zerebrale Aktivität im präfrontalen Bereich des Gehirns dadurch abnimmt. Dabei handelt es sich um den Teil, der für Befehle, Entscheidungen und weitere komplexe Vorgänge verantwortlich ist. Lucy F. Jones ergänzt: „Der Körper könnte weniger Kortisol ausschütten, mit dem er auf Stress reagiert. Auch könnte der subgenuale präfrontale Kortex weniger aktiv sein, eine winzige Region des präfrontalen Kortex, die im Zusammenhang mit Traurigkeit, negativen Gedankenschleifen und Grübeln steht.“ Wenn sich ein Mensch in der Natur aufhält statt in einem urbanen nicht natürlichen Raum, tendiert sein Gehirn zu weniger Stress. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

Ein anregendes Umfeld verändert das Gehirn positiv

Der Aufenthalt in der Natur führt zudem zu besserer geistiger Gesundheit. In den 1960ern entdeckte ein Forscherteam der University of California, dass ein anregendes Umfeld tatsächlich die Gehirnstruktur positiv verändert. Das Fehlen visueller oder physischer Stimulation führt zu einem synaptisch ärmeren Gehirn. Gehirne werden umso stärker, je mehr man sie gebraucht. Lucy F. Jones stellt fest: „Und ein gesundes, starkes, aktives Gehirn bedeutet verbesserte kognitive Fähigkeiten, besseres Funktionieren und eine bessere Gedächtnisleistung.“

Bei einem Spaziergang im Freien reagiert der Körper beispielsweise auf Temperaturschwankungen, Hindernisse auf dem Weg oder andere Spezies, die in der Vergangenheit eventuell als bedrohlich galten. Durch diese leichten Stressfaktoren bringt man das Nervensystem dazu, diverse Moleküle in die Blutbahn abzugeben und so die chemische Zusammensetzung des Körpers zu verändern. Auf der anderen Seite weiß man jedoch, dass das Stadtleben ein Risiko für die psychische Gesundheit ist.

Zu viel Stress macht krank

So treten beispielsweise Stimmungs- und Angststörungen bei Stadtmenschen häufiger auf. Auch leiden Menschen, die in Städten aufgewachsen sind, häufiger an Schizophrenie. Zudem kann das Leben in der Stadt Menschen anfälliger für sozialen Stress machen, einer der Risikofaktoren für psychische Probleme. Lucy F. Jones fügt hinzu: „In einem begrünten Viertel zu wohnen wird hingegen in Zusammenhang mit einem langsameren Abbau der kognitiven Fähigkeit im Alter gebracht.“

Die Erkenntnis, dass zu viel Stress krank machen kann, ist in der westlichen Schulmedizin relativ neu. Erst in den 1920ern führte der amerikanische Psychologe Walter Cannon das Wort „Stress“ ein, als er zum ersten Mal die Kampf-oder-Flucht-Reaktion beschrieb. Lucy F. Jones erklärt: „Es wird angenommen, dass unser physiologisches System zunächst darauf gepolt war, schnell auf eine Bedrohung zu reagieren.“ Zum Beispiel auf das plötzliche Auftauchen eines Raubtiers. Heutzutage ist dieses System jedoch häufiger und dauerhafter aktiviert. Quelle: „Die Wurzeln des Glücks“ von Lucy F. Jones

Von Hans Klumbies

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