Die Autorität verfügt sowohl über Macht als auch über Mitgefühl

Robert M. Sapolski, Professor in Stanford, behauptet, dass Menschen in der sozialen Hierarchie nur oben bleiben, wenn sie über soziale Intelligenz und psychologisches Geschick verfügen. Der Wissenschaftler beschreibt das Erfolgsgeheimnis von Führungspersönlichkeiten mit folgenden Worten: „Um seine Autorität und damit seine Macht zu festigen, muss der Chef wissen, mit wem er Koalitionen schmieden sollte. Und von wem er sich besser fernhält.“ Ganz wichtig ist für den Forscher auch die Impulskontrolle. Wenn die Angelegenheit nicht wirklich wichtig sei, könne man einen anderen Menschen einfach ignorieren, auch das schaffe Autorität.
Die Autorität gilt heute nur noch in einem bestimmten Kontext

In den modernen Industriegesellschaften hat es den Anschein, dass Autorität immer nur vorübergehend und auf Abruf möglich ist. Wenn Politiker oder Vorstandsvorsitzende Autorität erlangen wollen, müssen sie manchmal widersprüchliche Anforderungen erfüllen. Aus Untersuchungen der Evolutionsbiologie wird deutlich, dass Größe, Körperbau oder dynamisches Auftreten die heutigen Menschen ebenso beeindrucken wie seine Vorfahren aus der Steinzeit. Bei einer Begegnung hält ein Mensch schon in den ersten Sekundenbruchteilen nach diesen äußeren Autoritätsmerkmalen Ausschau.

Laut US-Psychologen sind große Menschen beruflich erfolgreicher, bei Wahlen siegen oft die dynamischeren Kandidaten. Männern wird mehr Autorität zugesprochen, wenn sie älter werden, Frauen erhalten einen Autoritätsbonus, wenn sie das Haar kurz tragen. Eine kräftige Stimme und eine gepflegte Stimme lassen die Autorität ganz allgemein ansteigen. Allerdings gilt heute die Autorität, anders als in der Zeit des Absolutismus, meist nur innerhalb eines bestimmten Zusammenhangs.

Falsche Autorität kann krank machen

Klugheit allein sichert auch noch keine Autorität. Auch Einfühlungsvermögen ist notwenig, dazu die Kunstfertigkeit, Verbündete auf seine Seite zu ziehen und schließlich ein wenig Glück, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Viele Menschen fürchten sich vor dem Verlust der Autorität wie vor einer ansteckenden Krankheit. Ebenso schädlich wie der Autoritätsverlust ist ein Zuviel an autoritärer Härte, wie die Wissenschaftler des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit herausgefunden haben. Falsche Autorität kann sogar krank machen. Andreas Meyer-Lindenberg sagt: „Sozialer Stress ist der schlimmste Stress, den es gibt. Wer ihm dauerhaft ausgesetzt ist, reagiert mit chronischen Unterwerfungsreaktionen.“

Von Hans Klumbies

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