Das Ungeborene spürt die Emotionen der Mutter

Bereits während der Schwangerschaft beginnt für das Kind im Mutterleib die emotionale Schule des Lebens. Das Ungeborene fühlt, ob die Mutter Glück und Zufriedenheit oder aber Ärger empfindet. Es spürt, ob es gewollt ist oder nicht, ob die Mutter unter emotionaler Belastung steht oder ob sie sich auf das Kind freut. Klaus Biedermann ergänzt: „Es weiß, ob es auf dieser Welt willkommen ist. Die Ängste der Mutter fühlt es ebenso wie ihre Hoffnungen. Da es eine Einheit mit seiner Mutter bildet, werden ihre Gefühle zu seinen eigenen. Dieser Umstand ist prägend für sein weiteres Leben.“ Denn die emotionale Entwicklung eines Kindes ist einer der wichtigsten Faktoren für seine spätere Lernfähigkeit. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.

Ein Kind muss seine eigenen Erfahrungen machen dürfen

Ein Säugling wird mit den wichtigsten Nervenverbindungen geboren, die er braucht, um am Leben zu bleiben. Er kann die wichtigsten Körperfunktionen steuern, kann aber noch keine Objekte oder Gesichter erkennen. Diese Fähigkeit entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Mit jeder neuen Erfahrung, die ein Baby macht, entstehen neue Nervenverknüpfungen und bestimmen damit die spätere Architektur des kindlichen Gehirns. Klaus Biedermann sagt: „Sobald das Kind seine Umwelt erobern kann, muss es seine eigenen Erfahrungen machen dürfen.“

Dennoch gehört zur emotionalen Beziehung zwischen Eltern und Kind auch, dem Nachwuchs Grenzen zu setzen und ihn zu lehren, mit einem Nein umzugehen, besonders dann, wenn Gefahr im Verzug ist. Kinder, die emotional intelligente Eltern haben, kennen ihre Gefühle, lassen sich nicht von ihnen beherrschen und wissen um die Emotionen anderer. Auch mit Frustration werden sie leichter fertig. Es gelingt ihnen, sich auch nach einer Niederlage wieder selbst zu motivieren und das nächste Mal in einer ähnlichen Situation vielleicht anders zu reagieren.

Die Kinder der Reichen sind oft die Ärmsten

Großeltern, Vater, Mutter, Geschwister und Freunde sind Vorbilder, die ein Kind emotional prägen. Klaus Biedermann erläutert: „Emotionale Qualität erwirbt und erlernt man am besten wie die Muttersprache, das heißt ganz selbstverständlich und intuitiv durch Nachahmen, Ausprobieren und Weiterentwickeln.“ So darf ein Kind im Idealfall neben all dem Angenehmen lernen, dass es Schwierigkeiten geben kann, wenn Menschen zusammenleben, und wie man dann mit diesen umgeht.

Oftmals haben Kinder scheinbar alles und gehören dennoch zu den Ärmsten der Gesellschaft. Sie leiden unter Wohlstandsverwahrlosung. Ein Begriff, der in den 90er Jahren von der Schweizer Psychologin Ulrike Zöller in dem Buch „Die armen Kinder der Reichen“ populär gemacht wurde. Diesen Kindern fehlt es materiell zwar an nichts und sie können durch Frühförderung schon mit drei Jahren zählen und buchstabieren. Sie halten es für völlig normal, dass ihnen die Eltern unangenehme Aufgaben abnehmen. Mit ihren emotionalen Wünschen und Bedürfnissen aber werden sie allein gelassen. Quelle: „Burn-In statt Burn-Out“ von Klaus Biedermann

Von Hans Klumbies

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