Blitzlichterinnerungen sind von erheblicher Klarheit

Menschen haben die Fähigkeit, augenblicklich lebendige Erinnerungen an eine Situation abzurufen, in der sie sich in einem bestimmten, bedeutsamen Augenblick befunden haben. Das nennt man „Blitzlichterinnerungen“. Julia Shaw beschreibt sie wie folgt: „Sie sind detailreich und farbig und beinhalten typischerweise, dass man sowohl detailliert an die Situation erinnert, in der man eine historische wichtige Nachricht gehört hat, oder auch an das Ereignis selbst. Wer sich daran erinnert, erwähnt oft, wer ihm die Nachricht übermittelt hat, was er gerade tat, was er gerade anhatte und was er dachte, fühlte und sagte.“ Viele Menschen erinnern sich also mit erheblicher Klarheit an wichtige geschichtliche Ereignisse. Sie können mit größerer Sicherheit von Erinnerungen berichten, wenn die Ereignisse drei Hauptmerkmale besitzen. Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.

Erinnerungen von Menschen sind beinflussbar

Juli Shaw erläutert: „Erstens musste das Ereignis ein hohes Maß an Überraschung erzeugen. Es durfte nicht trivial oder erwartbar sein.“ Zweitens musste es wichtige Folgen für die betreffende Person oder die Menschen im Allgemeinen haben. Das kann eine wichtige Konsequenz für sie persönlich oder die Gesellschaft sein. Und drittens und letztens musste das Ereignis ein hohes Maß an emotionaler Erregung erzeugen. Das Individuum musste Angst, Trauer, Wut oder eine andere starke Emotion empfinden. Wenn diese drei Bedingungen nicht erfüllt sind, kann eine Blitzlichterinnerung nicht entstehen.

Aber es gilt nach wie vor: Erinnerungen von Menschen sind beeinflussbar, und zwar durch sozialen Druck und bestimmte Abruftechniken. Diese führen dazu, dass sie sich Dinge vorstellen und diese imaginierten Dinge fälschlicherweise für echte Erinnerungen halten. Dennoch ist es so, dass sich Erinnerungen für diejenigen, die sie haben, echt anfühlen und folglich auf für andere echt aussehen. Sie können Teil der persönlichen Vergangenheit der Person werden, die sich erinnert, ob sie tatsächlich stattgefunden haben oder nicht.

Menschen neigen bei Erinnerungen zu Verzerrungen

Nicht nur äußerliche Quellen können persönliche Erinnerungen an emotionsbesetzte Ereignisse dramatisch verändern, Menschen neigen auch zu Verzerrungen durch innere Einflüsse. Julia Shaw weiß: „Eine Möglichkeit, wie das geschehen kann, ist, unsere Erinnerungen anderen mitzuteilen.“ Das tun wahrscheinlich die meisten Menschen nach wichtigen Ereignissen. In diesen Situationen überträgt man Informationen, die ursprünglich visuell codiert waren in verbale Informationen. Man verwandelt Sinneseindrücke in Worte.

Aber dieser Prozess geht nicht fehlerfrei vonstatten, jedes Mal, wenn man Bilder, Töne oder Gerüche nimmt und sie verbalisiert, verändert oder verliert man Information. Die Menge der Details, die ein Mensch mittels Sprache kommunizieren kann, ist begrenzt, also muss man Abstriche machen. Dadurch kommt es zu Vereinfachungen. Diesen Prozess nennt man „verbale Überschattung“ (verbal overshadowing); geprägt hat ihn der Psychologe Jonathan Schooler. Quelle: „Das trügerische Gedächtnis“ von Julia Shaw

Von Hans Klumbies

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