Das Trauma der Geburt besteht lebenslang

Der erste Schrei eines Neugeborenen ist Ausdruck von Verlust, Trennung, Vereinzelung und Todesangst. Der Psychoanalytiker Otto Rank hat in diesem „Trauma der Geburt“ den Verlust einer embryonalen „Urlust“ und Wurzel aller Ängste gesehen, die der Mensch in seinem späteren Leben entwickelt. Albert Kitzler ergänzt: „Erst wenn die Hebamme das Neugeborene auf den Bauch der Mutter legt, hört es auf zu weinen, weil es wiedervereinigt ist mit dem, woher es kommt.“ Viele Impulse, Regungen und Empfindungen hat der Fötus über die Blutbahn der Mutter, ihre Bewegungen und Gefühle über das gemeinsame Netzwerk des Hormon-, Nerven- und Immunsystem erhalten und gespeichert. Der Philosoph und Medienanwalt Dr. Albert Kitzler gründete 2010 „Maß und Mitte – Schule für antike Lebensweisheit und eröffnete ein Haus der Weisheit in Reit im Winkl.

Der Embryo erlebt in der Schwangerschaft wohlige Geborgenheit

Hier kann es auch zu ersten Irritationen und Beunruhigungen kommen. Insbesondere bei problematischen Schwangerschaften entsprechend der jeweiligen psychischen und körperlichen Verfassung der Mutter und ihrem Verhältnis zum Vater und zu ihrer Umwelt. Aber nichts davon dürfte auch nur annähernd heranreichen an die vorgeburtlichen Prägungen. Einerseits handelt es sich dabei um den neumonatigen Zustand der wohligen Geborgenheit, des Getragen- und Geschütztseins im Mutterleib.

Andererseits haben sich die als qualvoll empfundenen Stunden der Geburt in die Seele des werdenden Menschen für immer eingeschrieben. Albert Kitzler stellt fest: „Diese Erfahrung dürfte mehr oder weniger jeder Mensch gemacht haben.“ In einem gemeinsamen Buch schreiben der Gehirnforscher Gerald Hüther und die Psychotherapeutin Inge Krens: „Sie – die Menschen – gleichen sich auch deshalb, weil sie alle aus einer für alle Menschen typischen intrauterinen Welt kommen. In dieser Welt haben sie alle ähnliche Bedingungen vorgefunden und prinzipiell ähnliche Erfahrungen gemacht.“

Alle Menschen sehnen sich nach Liebe

Gerald Hüther und Inge Krens fahren fort: „Deshalb ist auch ihr Gehirn, wenn sie zur Welt kommen, entsprechend ähnlich strukturiert.“ In dieser fundamentalen Grunderfahrung liegt der Ursprung der Sehnsucht der Menschen nach Liebe. Bei jeder Art von Liebesregung erwacht immer wieder aufs Neue der unbewusste Wunsch, jene Gefühle der Geborgenheit, des Genährtwerdens, des Schutzes, der Wärme und des Getragenseins und alle damit zusammenhängenden Gefühlsschattierungen wieder zu erleben.

Albert Kitzler weiß: „Wo sich im Leben eines Menschen diese oder verwandte Gefühle einstellen und befriedigt werden, da erleben wir Freude und Erfüllung, Momente des Glücks. In jeder dieser Emotionen erlebt unsere Seele, sei es auch in noch so schwacher Form, eine Art Wiedervereinigung mit ihrem Ursprung.“ Nämlich mit der Mutter, mit der Natur, von der Menschen ein Teil sind und nach deren Gesetzen ihr und alles Leben geboren wird, sich entwickelt, wächst, erblüht und vergeht. Quelle: „Die Weisheit der Liebe“ von Albert Kitzler

Von Hans Klumbies

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