Das Gehirn von Teenager ist besonders anfällig für Belohnungen

Die Universität Stanford hat im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlicht, die klar belegt: „Aus negativen Konsequenzen, also Strafen, lernt man in der Regel nicht nur besonders gut, sondern auch besonders schnell – schneller als mittels Belohnungen.“ Bei Teenagern ist es allerdings genau andersherum, wie französische Neurowissenschaftler herausgefunden haben. Im Gegensatz zu Kindern und Erwachsenen ändern sie ihr Verhalten nur dann, wenn sie dafür belohnt werden. Bestrafungen hingegen sind bei ihnen so gut wie wirkungslos. Grund dafür ist der rasante Umbau des Gehirns während der Pubertät. Wie es dazu kommt, dass Menschen aus Strafen schneller lernen, ist noch nicht abschließend geklärt. Einen Ansatz bietet das Konzept der Verlustaversion, welches von den Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky entdeckt wurde. Sie konnten zeigen, dass Menschen Verluste deutlich stärker gewichten als Gewinne.

Schlechte Ergebnisse wirken sich stärker auf die Stimmung aus als gute

Außerdem konnte mehrfach gezeigt werden, dass schlechte Ergebnisse sich stärker auf die Stimmung auswirken und die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen stärker beeinflussen als es gute tun. Teenager sind also resistent gegenüber Strafen. Der Schlüssel dazu, warum gerade Jugendliche so belohnungsorientiert sind, liegt möglicherweise im sogenannten mesolimbischen System. Es ist auch bekannt als das Belohnungssystem des Gehirns, und der Hauptakteur in diesem System ist der Botenstoff Dopamin.

Wird das Belohnungssystem gereizt, wird der Botenstoff ausgeschüttet und es stellt sich ein Glücksgefühl ein. Aus Studien, in denen man die Aktivität der einzelnen Hirnregionen untersucht hat, ist bekannt, dass Jugendliche im Vergleich zu Kindern und Erwachsenen eine höhere Aktivität in jenen Hirnstrukturen aufweisen, die mit Belohnung assoziiert sind. So haben bestimmten Strukturen des Belohnungssystems, wie etwas das ventrale Striatum, in der Pubertät einen richtigen Aktivitätshöhepunkt.

Strafen haben keine nachhaltige Wirkung auf Schulnoten

Im Übrigen liegt in diesem System möglicherweise auch die Erklärung dafür, dass gerade Jugendliche sich so sehr für soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook begeistern. Psychologen um Lauren Sherman von der Universität Kalifornien fanden heraus, dass das Belohnungssystem auch dann aktiviert wird, wenn Jugendliche viele Likes für ihre Fotos auf Instagram bekommen. Erwachsenen und Jugendliche lernen auf andere Arten. Jugendliche sprechen einfach viel besser auf Belohnungen an. Das könnte beispielsweise für den Bildungsbereich relevant sein.

Zum Beispiel für Tipps, wie Eltern auf ein schlechtes Zeugnis reagieren sollten, und Tipps, wie sich das nächste Schuljahr meistern lässt. Gertrud Plasse vom Sorgentelefon der niedersächsischen Landesschulbehörde rät: „Man sollte vor allem erst einmal die Anstrengung belohnen, die ein Schuljahr kostet, zum Beispiel mit einem Familiennachmittag.“ Auch sie glaubt, dass Strafe keine nachhaltige Wirkung auf Schulnoten hat. Die Expertin erklärt: „Ein schlechtes Zeugnis ist schon Strafe genug. Von Wutausbrüchen und Drohungen raten wir generell ab.“ Quelle: Welt am Sonntag

Von Hans Klumbies

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