Chronisch einsame Menschen werden krank

Viele Menschen kennen das: es gibt jemanden unter seinen oder ihren Freunden, der sehr viel allein ist. Manchmal ist das Alleinsein allerdings selbst gewählt. Jemand lebt als Single und sucht sich seine wenigen Freunde nach ganz bestimmten Kriterien aus. Dann ist das Alleinsein oft gar kein Problem, denn derjenige braucht nicht besonders viele soziale Kontakte, um mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein. Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 von Professor Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum sind besonders Menschen zwischen 30 und 34 Jahren und über 65 Jahren einsam. Maike Luhmann erklärt: „Dass die Älteren einsam sind, hatten wir ein Stück weit erwartet. Dass sich viele in der Altersgruppe zwischen 30 und 34 einsam fühlen, habe sie aber überrascht.“

Es gibt einen Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein

Maike Luhmann fährt fort: „Es könnte daran liegen, dass viele dann in der Rushhour des Lebens sind: Kinder, Aufstieg im Job, Hausbau, auf viele prasselt dann alles gleichzeitig ein.“ Für Freunde bleibt dann mitunter kaum Zeit. Eine andere Erklärung könnte sein, dass viele heutzutage als Singles leben. Auf längere Sicht kann Einsamkeit die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben stark beeinträchtigen. Maike Luhmann erläutert: „Man hat herausgefunden, dass Menschen, die chronisch einsam sind, krank werden.“

Sie leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Krankheiten und sterben mitunter früher als Menschen, die sozial eingebunden sind. Es ist allerdings wichtig, zwischen Einsamkeit und Alleinsein zu unterscheiden. Maike Luhmann betont: „Nicht jeder, der viel allein ist, leidet.“ Sie definiert Einsamkeit als das Gefühl, dass man weniger soziale Kontakte hat, als man gerne hätte. Und wer darunter über längere Zeit leidet, wird häufig unglücklich. Was kann man tun, wenn man merkt, dass einer seiner Freunde einsam ist?

Einsame Menschen nehmen ihr Umfeld als bedrohlich wahr

Die Psychologin Birgit Spießhöfer rät: „Zunächst ist es wichtig, sein eigenes Verhältnis zum Thema Einsamkeit kritisch zu hinterfragen. Oft fallen einem an Freunden Probleme auf, die für einen selbst Thema sind.“ Dann aber kann es durchaus sinnvoll sein, Freunde darauf anzusprechen. Es kann den anderen entlasten – und möglicherweise findet man zu zweit leichter einen Lösungsweg für das Problem. Maike Luhmann sagt: „Einsame Menschen nehmen ihr Umfeld oft irgendwann als bedrohlich wahr.“

Die Psychotherapeutin Marion Tacke stellt fest: „Andere suchen in Medikamenten, Alkohol oder in Essen eine Ersatzbefriedigung. Im schlimmsten Fall führt Einsamkeit zu Depressionen oder Angststörungen.“ Gibt es aber die Bereitschaft darüber zu sprechen, ist allein das Gespräch für die Betroffenen häufig schon sehr entlastend. Oft fühlt man sich dann besser aufgehoben. Marion Tacke ergänzt: „Und zusammen kann man auch überlegen, welche Wege es gibt, um weniger einsam zu sein.“ Quelle: Passauer Neue Presse

Von Hans Klumbies

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