Hermann Hesse hatte eine üble Schulzeit

Im März 1892 flüchtete Hermann Hesse aus dem Seminar Maulbronn. Er wurde erst einen Tag später auf freiem Feld aufgegriffen. Andras Salcher fügt hinzu: „Es folgten heftige Konflikte mit den Eltern und eine Odyssee durch verschiedene Schulen.“ Seine Eltern steckten ihn mit 15 Jahren in eine Anstalt für Geistesschwache und Epileptiker. Dort musste er beim Unterricht geistig behinderter Kinder helfen. Seine tragische Schulzeit arbeitete er schon in jungen Jahren in seiner Erzählung „Unterm Rad“ auf. Welterfolge wie „Siddharta“, „Der Steppenwolf“, „Narziß und Goldmund“ oder „Das Glasperlenspiel“ führten 1946 zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur. Paulo Coelho war ein Rebell, der gegen Vorstellungen und Ziele seiner Eltern aufbegehrte. Sie wiesen ihn mit 17 Jahren zweimal in die psychiatrische Anstalt Cas de Saúde Dr. Eiras ein. Denn sie dachten, er sei geisteskrank. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Manfred Eigen erhält 1967 den Nobelpreis für Chemie

Die Erfahrung stationärer psychiatrischer Behandlung schilderte der brasilianische Schriftsteller später in seinem Roman „Veronika beschließt zu sterben“. „Im Vergleich zu den Folterkellern der brasilianischen Militärdiktatur war die Zeit in der Psychiatrie durchaus angenehm“, erzählt Paulo Coelho über diese Erfahrung. Heute gilt er als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit. Seine Bücher erschienen in über 170 Ländern und verkauften sich bisher über 225 Millionen Mal.

Manfred Eigen, der 1967 den Nobelpreis für Chemie gewann, musste die Schule mit 15 Jahren verlassen, um im Zweiten Weltkrieg an der Flak zu dienen. Drei Jahre später nahmen in sowjetische Truppen gefangen. Er konnte aber flüchten, wanderte durch ganz Deutschland, um an der Universität Göttingen zu inskribieren. Diese hatte einen hervorragenden Ruf in den Naturwissenschaften. Obwohl er nie eine Schule abgeschlossen hatte, promovierte Manfred Eigen mit 22 Jahren.

Die Schule ist kein Ruhekissen für Selbstzufriedenheit

Diese oder ähnliche Beispiele zeigen auf, dass außergewöhnlich Begabte oft über viel Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen verfügen. Sie legen den Schluss nahe: Genies setzten sich immer durch. Manche Leser mögen dieser Aussage spontan zustimmen. Auch Andreas Salcher selbst, als ein begeisterter Leser von Biografien, ist versucht, daran zu glauben, dass die wirklich großen Begabungen sich gegen alle Widerstände durchgesetzt haben. Doch Vorsicht.

Andreas Salcher spürt, dass sich ein Feind des talentierten Kindes – die Macht des Vorurteils – in seinem Denken auszubreiten droht: „Denn wir wissen natürlich nicht, wie viele große Geister der Menschheit verloren gegangen sind, weil ihr Talent eben nie die Chance hatte, sich zu entfalten.“ Allerdings sagt Andreas Salcher auch ganz klar, dass ein Schulsystem, das jeden Schüler ständig lobt und ihn auf einem Ruhekissen der Selbstzufriedenheit bettet, völlig verfehlt wäre. Quelle: „Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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