Flow-Erlebnisse machen glücklich

Eltern können den sogenannten Flow-Effekt an sich selbst und an ihren Kindern beobachten, um die Motive für ihre eigene Motivation, das Talent ihres Kindes zu fördern, und die des Kindes selbst besser zu verstehen. Andreas Salcher weiß: „Die Glücksforschung hat herausgefunden, dass Menschen, die in Tätigkeiten wie beim Sport, in der Religion, beim Singen, Tanzen oder Theaterspielen, aber auch beim Forschen innere Glücksgefühle, also Flow-Erlebnisse haben, diese ständig wiederholen werden – einfach deshalb, weil es ihnen Freude bereitet.“ Es ist ganz wichtig, zu verstehen, dass angestrengtes konzentriertes Arbeiten eben nicht automatisch zu Unlustgefühlen führen muss. Eltern sollten deshalb nicht in die „Bestechungsfalle“ tappen, ihr Kind erst mit Druck zu zwingen, zwei Stunden zu üben, um es dann dafür zu belohnen, weil es so brav war. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Autor von Bestsellern und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Überforderung endet in Frustration

Sinnvolle Talentförderung erfordert von den Eltern viel Genauigkeit, Aufmerksamkeit und Kreativität. Denn eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit ein Kind Freude an der Ausübung seines Talents hat, ist, das richtige Maß zwischen Unterforderung, die zu Langeweile führt, und Überforderung, die in Frustration endet, zu finden. Solange ein Kind sich auf diesem Pfad der richtigen Herausforderung bewegt, wird es sein Talent nicht nur durch Lernen und Anstrengung weiterentwickeln, es wird auch große Freude dabei entwickeln.

Dieser schmale Pfad ist aber nicht leicht zu finden. Und wenn man einmal vom Weg abgekommen ist, dann bietet sich eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten für ein Kind oder einen Jugendlichen an, seine Zeit zu verbringen – von passiven Dingen wie Musik hören, im Internet surfen oder mit Freunden herumhängen. Eine Studie zeigt, dass talentierte Jugendliche gerne mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen als durchschnittlich begabte. Und sie bevorzugen vor allem Vieraugengespräche innerhalb der Familie.

Nebenjobs wirken sich nicht positiv auf ein Talent aus

Andreas Salcher erklärt: „Je mehr sie sich harmonisch in ihre Familie eingebunden und unterstützt fühlen, desto besser können sie sich auf die Ausübung ihres Talents konzentrieren.“ Das bevorzugt natürlich Kinder aus Familien, deren finanzielle und kulturelle Situation sie nicht zwingt, sehr viel im Haushalt mitzuhelfen und auch nicht zu viele Neben- beziehungsweise Hilfsjobs annehmen zu müssen. Nebenjobs haben keinen positiven Einfluss auf die Talententwicklung.

Die Zeit, die talentierte Kinder in ihre Begabung investieren, ist weit wichtiger als die mögliche praktische Erfahrung in Nebenjobs. Ja, sogar scheinbar simple Dinge spielen ein Rolle: Wie lange am Tag läuft der Fernseher, kann das Kind sich in Ruhe zurückziehen und wie viel Zeit wird für das tägliche Auswählen der Kleidung aufgewendet? Von Albert Einstein ist ja die Tatsache bekannt, dass er die gleichen Kleidungsstücke in einer Vielzahl besaß, weil er einfach nicht jeden Morgen darüber nachdenken wollte, was er anziehen soll. Quelle: „Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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