Sogar mit der Wahrheit lässt sich lügen

Durch Manipulation sorgt ein Mensch dafür, dass die Wirklichkeit des anderen sich für ihn so darstellt, wie er es möchte. Thorsten Havener weiß: „Eine sehr bewährte Methode ist diesbezüglich die Darstellung der Wirklichkeit über Statistiken.“ Hier wird, wie Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff, Autoren des Buches „Lügen mit Zahlen“, es so trefflich ausdrücken, „mit der Wahrheit gelogen“. Die folgenden Tricks sind nur ein Teil der unzähligen Täuschungen, die in dem Buch vorgestellt werden. Zum Beispiel: Lange Zeiträume – wie Mücken zu Elefanten werden. Wenn man sagt, der Bund einigt sich auf ein Bildungspaket von 18 Milliarden Euro, dann klingt das erst mal toll. Aber wenn die 18 Milliarden auf die nächsten zehn Jahre verteilt werden, dann ist das wenig. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

Mit Definitionen lässt sich gut tricksen

Ein weiteres Beispiel betrifft die Mittelwerte. Denn die Mitte ist nicht immer richtig. Thema Einkommen. Wenn ein paar wenige zum Beispiel in einem afrikanischen Land extrem viel verdienen – mehrere Millionen US-Dollar im Jahr – dann steigern sie das Durchschnittseinkommen enorm. Damit wird verhüllt, dass die große Mehrheit nur 500 US-Dollar im Jahr verdient. Auch mit Definitionen lässt es sich gut tricksen. Man kann eine Statistik, zum Beispiel die Arbeitslosenstatistik, schön aufhübschen, indem man zum Beispiel die 1-Euro-Jobber, die Kranken und andere nicht in die Definition „arbeitslos“ aufnimmt.

Zahlen aus dem Zusammenhang zu reißen beziehungsweise in einen falschen Zusammenhang zu setzen, ist auch eine beliebte Methode der Manipulation. Was ist die kriminellste Stadt der Welt? Eigentlich Mogadischu und die Ciudad de Juarez. Thorsten Havener stellt fest: „Aber man kann statistisch sagen – ganz seriös nach Zahl der Delikte pro Zahl und Einwohner eingeteilt –, dass eigentlich Vatikan-Stadt die kriminellste Stadt der Welt ist. Das liegt aber nur daran, dass hier 18 Millionen Pilger und Touristen im Jahr hinkommen. Da kommt es eben zu dem einen oder anderen Diebstahl.“

Falsche Bezugsgrößen verdrehen die Realität

Wenn man die Bezugsgröße falsch setzt oder gar weglässt, dann kann man die Realität ganz schön verdrehen. Einfaches Beispiel: „Im letzten Jahr haben wir in Nordrhein-Westfalen 2.200 vollzeitbeschäftigte Lehrer eingestellt“, sagte einmal ein Ministerpräsident von NRW. Aber bei genauerer Betrachtung hatte er einfach diese wahre Zahl genommen, dabei jedoch unterschlagen, dass im gleichen Jahr 2.500 Lehrer aus dem Dienst ausgeschieden waren. Damit ist die Zahl der Lehrer eigentlich sogar zurückgegangen!

Die Frage nach Ursache und Wirkung ist Thorsten Haveners Lieblingsmethode: „Wenn zwei Dinge korrelieren, dann ist man schnell dabei, da eine kausale Beziehung herzustellen.“ Zu beweisen, dass es nicht so ist, wie der andere behauptet, ist in vielen Fällen unmöglich. Das ist unter anderen auch eines der Totschlagargumente von Menschen, die mit Statistiken manipulieren. Der Wissenschaftler Carl Sagan sagte in einer seiner Fernsehsendungen über die Beweislast folgendes: „Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnlich starke Beweise.“ Quelle: „Mach doch, was ich will“ von Thorsten Havener

Von Hans Klumbies

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