Das Gefühl des Unbehagens greift um sich

Sigmund Freuds Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ wurde oft variiert. Armin Nassehi verdeutlicht dies an zwei Beispielen, die in ihren deutschen Übersetzungen bis in den Buchtitel hinein das Motiv des „Unbehagens“ zitieren. Der kanadische Philosoph Charles Taylor spricht von „The Malaise of Modernity“, in der deutschen Ausgabe: „Das Unbehagen an der Moderne“. Die Quelle des Unbehagens ist auch bei ihm der Verlust oder die Unmöglichkeit von sozialen Bindungen. Den Grund dafür macht er im Individualismus der modernen Kultur aus, die so etwas wie eine unbedingte Zugehörigkeit mit kollektiver Zwecksetzung erschwert. Die Folge ist eine Verflachung der kollektiven Anstrengungen zur Verbesserung der gemeinsamen Welt. Daraus entsteht ein narzisstischer Individualismus. Armin Nassehi ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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