Menschen übernehmen unbewusst Verhaltensweisen ihrer Eltern

Die Zeiten ändern sich, aber viele Verhaltensweisen in Familien erhalten sich teilweise über Generationen. Das menschliche Gehirn baut ständig neue neuronale Netzwerke auf, die jene Erfahrungen und Strukturen speichern, die verschiedene Tätigkeiten widerspiegeln. Dabei bilden die Nervenbahnen, die sich schon sehr früh entwickelt haben, besonders dicke Stränge. Silvia Dirnberger-Puchinger vergleicht diese Bündel mit mehrspurigen Autobahnen und erklärt damit, warum Menschen immer wieder in die ungeliebten Muster fallen: „Unter Stress greift unser Gehirn nicht auf neuere erlernte Verhaltensweisen – quasi die Güterwege in unserem Hirn – zurück, sondern nimmt den Highway.“

Jeder kann mit der Vergangenheit seinen Frieden schließen

Auch scheinbar harmlosen Situationen des Alltags verfügen über das Potential, Menschen mit der eigenen Geschichte zu konfrontieren. Denn laut Silvia Dirnberger-Puchinger, haben sich in diesem System, aus dem der Mensch kommt, ganz eigene Verhaltensmuster für jeden Lebensbereich entwickelt.“ Nur wer diese oft erstaunlichen Wiederholungen, die von einer Generation zur nächsten weitergeben werden, erkennt, hat damit den ersten Schritt zur Veränderung gemacht.

Silvia Dirnberger-Puchinger fügt hinzu: „Eine differenzierte Sichtweise ist aber erst möglich, wenn wir ein selbstbestimmtes Leben führen.“ Hier kommen die kognitiven Fähigkeiten ins Spiel, die der Mensch im Verlauf seines Lebens erlernt. Denn ein Protagonist kann ein unerwünschtes Verhalten erst dann loswerden, wenn er über andere Möglichkeiten nachdenkt und diese anschließend einübt. Dann bilden sich laut Silvia Dirnberger-Puchinger mit der Zeit neue Neuronenbahnen im Gehirn, die sich stark ausprägen und die alten überlagern. Dazu gehört aber auch, dass der Betroffene mit der Vergangenheit seinen Frieden schließt.

Von Hans Klumbies

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