Selbsterkenntnis ist ein Schritt zur inneren Selbstständigkeit

Den Menschen kann die Einsicht helfen, dass es im Leben viel mehr Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Phantasien und Wünsche gibt, als es den Anschein hat. Die Menschen sind nur mit einem Teil ihrer Innenwelt vertraut. Ein anderer Teil liegt im Verborgenen. Wenn man ratlos erlebt, wie unverstandenes Erleben die eigene Person bedrängt, kann es laut Peter Bieri ein entscheidender Schritt sein, nach der Herkunft in weniger bewussten Bezirken des seelischen Geschehens zu suchen.

Innere Selbsterkenntnis verringert die Gefahr der Ohnmacht und Demütigung

Die wachsende Selbsterkenntnis kann laut Peter Bieri zu befreienden Veränderungen und größerer innerer Selbstständigkeit führen. Der widerspenstige Wille und die unverständlichen, nicht zu kontrollierenden Affekt werden, einmal aufgeklärt, besser beherrschbar und lösen sich vielleicht ganz auf. Denn sie sind überflüssig geworden. Peter Bieri erklärt: „Vieles am Erleben, das früher wie ein Fremdkörper erschien, verliert durch das wachsende Verstehen seine Fremdheit und kann in die Person integriert werden.“

Somit kann sich die betroffene Person das Erleben aneignen und zu einem ausdrücklichen Teil der seelischen Identität machen. Und diese Aneignung bedeutet, dass die innere Autorität nicht länger davon bedroht ist. Wenn es einem Menschen gelingt, den Umfang der Selbsterkenntnis nach innen zu vergrößern, verringert sich für ihn die Gefahr der Ohnmacht und Demütigung. Zudem wird er jetzt weniger leicht Opfer von Abhängigkeit, Erpressbarkeit und Hörigkeit. Denn die inneren Zwänge, aus denen die äußere Versklavung hervorging, konnten nur solange herrschen, wie die Triebkräfte im Dunklen verborgen lagen.

Von Hans Klumbies

 

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