Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe

Die Liebe lässt sich nicht erklären, und doch, wenn man sie erlebt, erklärt sie alles. Wer zum ersten Mal wirklich liebt, nimmt die Welt um sich herum plötzlich völlig anders wahr. Andreas Salcher fügt hinzu: „Unser ganzes Denken und Körpergefühl verändert sich. Die Schmetterlinge im Bauch, von deren Existenz wir bestenfalls aus Liebesfilmen wussten, erwachen auf einmal tatsächlich in uns zum Leben.“ Und damit die Hoffnung, dass der andere das eigene Selbst von allen seinen Verletzungen heilen wird. So wie früher Liebesbriefe lösen heute Nachrichten auf dem Smartphone ungeahnte Glücksgefühle aus. Das Warten auf die nächste Botschaft wird unerträglich und eine neutrale oder gar diffuse Nachricht des Geliebten stürzt das eigene Selbst in tiefste Verzweiflung. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Die eigene Liebe soll etwas Einzigartiges sein

In manchen Momenten ist man bereit, alles aufzuopfern, im nächsten tauchen Zweifel auf, ob der andere der Richtige für das Leben sein wird. Von den älteren hört man: „Du bist noch so jung, lass dir Zeit.“ Das will man natürlich gar nicht hören, weil man fest davon überzeugt ist, dass die eigene Liebe etwas Einzigartiges ist. Irgendwann entdecken auch junge Liebende, dass Männer und Frauen sehr verschieden sein können, dass ein und dasselbe Wort völlig Unterschiedliches bedeuten kann und dass der andere einen nicht verstehen kann oder will.

Andreas Salcher ergänzt: „Wir erfahren, wie viele Schmerzen uns der Geliebte bereiten kann und dass das Wort „Leiden“ in „Leidenschaft“ seinen Platz verdient. In unserer Fantasie sehen wir, wie er uns mit einer anderen betrügt, eine Umarmung, gar ein Kuss könnte den Weltuntergang bedeuten.“ Man will alles über den anderen wissen, wird aber gleichzeitig durch die Erzählungen aus seiner Vergangenheit erregt und erschüttert. Dann gibt es wiederum die euphorischen Momente, wenn man mit dem Geliebten zusammenliegt, dann bedeutet dieser Mensch einem alles.

Die Fähigkeit zu lieben ist das Wichtigste im Leben

Die Liebe ist alles. Jeder Mensch muss lernen, die mit diesem gewaltigen Gefühlsrausch verbundenen Konflikte und Schwankungen auszuhalten. So lange, bis man es eines Tages nicht mehr schafft. Entweder gibt es nur noch Streit oder eine große Enttäuschung. Das war sie dann, die erste große Liebe des Lebens. Was immer danach kommen wird, niemand wird sie jemals vergessen. Andreas Salcher erläutert: „Die erste große Liebe lässt uns glauben, dass Verliebtheit, Sexualität und Liebe eine wunderbare Einheit bilden, die untrennbar zusammengehört.

Nüchtern betrachtet ist die erste Liebe meist ein – wunderschöner – Irrtum. Ein Rausch, den man niemals in seinem Leben missen möchte. Wer diesen Rausch nie erlebt hat, dem fehlen zwei wichtige Erfahrungen. Erstens, das Hochgefühl am Höhepunkt. Zweitens, der bittere Geschmack der Enttäuschung, wenn man wieder bei Sinnen ist. In Wahrheit ist die auf Ewigkeit angelegte romantische Liebe die große Ausnahme. Und dennoch ist die Fähigkeit zu lieben das Wichtigste im Leben. Quelle: „Das ganze Leben ein Tag“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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