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Horst-Eberhard Richter untersucht die Rolle des Kindes

Horst-Eberhard Richter fragt in seiner Untersuchung „Elterlicher Konflikt und kindliche Rolle“ nach den schädlichen Faktoren existenter affektiver Beziehungen zwischen Eltern und Kind. Unter der kindlichen Rolle versteht Horst-Eberhard Richter die strukturierte Gesamtheit der elterlichen Erwartungsphantasien, insofern diese dem Kind die Erfüllung einer bestimmten Funktion zuweisen. Laut Horst-Eberhard Richter lehrt die psychoanalytische Erfahrung, dass Eltern, die unter dem Einfluss ihrer unbewussten Erwartungen bei ihren Kindern eine neurotische Störung begünstigen, selbst unter dem Druck affektiver Konflikte zu stehen pflegen: „Sie saugen das Kind gewissermaßen in ihren eigenen Konflikt hinein.“

Das Kind soll die Rolle des Partners einnehmen

Wenn man diesen Vorgang allgemein formuliert, wird dem Kind dabei eine Funktion zugewiesen, den Eltern zu einer Entlastung ihrer Konfliktspannung zu verhelfen. Horst-Eberhard Richter fügt hinzu: „Die Rolle des Kindes bestimmt sich also aus der Bedeutung, die ihm im Rahmen des elterlichen Versuches zufällt, ihren eigenen Konflikt zu bewältigen.“ Dabei besagt die Natur des Konfliktes noch nicht, wie das Kind in diesen einbezogen wird. Ein und derselbe mütterliche Konflikt kann beispielsweise zu sehr unterschiedlichen affektiven Ansprüchen an das Kind führen.

Horst-Eberhard Richter vertritt die These, dass die Eltern, motiviert durch einen eigenen Konflikt, dem Kind entweder die Rolle eines Ersatzes für einen anderen Partner oder die Rolle eines Substituts für einen Aspekt ihres eigenen Selbst zuzuweisen bestrebt sind. Horst Eberhard-Richter ergänzt: „In der jeweiligen besonderen Repräsentanz – innerhalb der unbewussten elterlichen Phantasien – soll das Kind dann die Funktion der Konfliktentlastung für die Eltern erfüllen.“

Kurzbiographie: Horst-Eberhard Richter

Der deutsche Psychoanalytiker, Psychosomatiker und Sozialphilosoph Horst-Eberhard Richter wurde am 28. April 1923 in Berlin geboren. Von 1955 bis 1962 arbeitete er an der Psychiatrischen und Neurologischen Klinik der Freien Universität Berlin. Danach war er Direktor der Psychosomatischen Universitätsklinik in Gießen. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen: „Eltern, Kind und Neurose“, „Patient Familie“, „Die Gruppe“, „Zur Psychologie des Friedens“, „Umgang mit Angst“, „Das Ende der Egomanie“ und „Moral in Zeiten der Krise“. Horst-Eberhard Richter starb am 19. Dezember 2011 in Gießen.

Von Hans Klumbies

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