Herbert Marcuse analysiert Sigmund Freuds Psychoanalyse

Herbert Marcuse behauptet, dass die Theorie von Sigmund Freud veraltet ist.

Kraft der eigenen Vernunft unterwirft sich der Mensch dem Realitätsprinzip

In dem Satz „Wo Es war, soll Ich werden“ liegt für Herbert Marcuse das rationale Programm der Psychoanalyse. Es geht dabei um den Sieg über das Unbewusste mit seinen „unmöglichen“ Trieben und Zielen. Herbert Marcuse schreibt: „Aufgrund und kraft eigener Vernunft gibt das Individuum die kompromisslosen Ansprüche des Lustprinzips preis und unterwirft sicht dem Diktat des Realitätsprinzips, lernt es, das prekäre Gleichgewicht zwischen Eros und Thanatos zu halten – lernt es, sich in einer Gesellschaft durchzuschlagen, die zunehmend außerstande ist, es glücklich zu machen, das heißt seine Triebe zu befriedigen.“

Herbert Marcuse stellt zwei Elemente dieser Konzeption heraus, die den historischen Faktor kennzeichnen, nämlich die veränderten gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse. Er weist darauf hin, dass Sigmund Freud durchweg einen wesentlichen Konflikt zwischen dem Individuum und seiner Gesellschaft voraussetzt. Außerdem glaubt Sigmund Freud, dass der Patient das vitale Bedürfnis nach einer Schlichtung hat, ausgedrückt durch die Unfähigkeit, in der gegebenen Gesellschaft normal zu funktionieren.

Rebellion und Erreichen der Reife sind Stufen im Kampf mit dem Vater

Nach Sigmund Freud wird der unheilvolle Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft zunächst und vor allem in der Konfrontation mit dem Vater erfahren und ausgefochten.

Hier bricht der umfassende Kampf zwischen Eros und Thanatos aus und bestimmt die Entwicklung des Individuums. Und es ist für Sigmund Freud der Vater, der die Unterordnung des Lustprinzips unter das Realitätsprinzip durchsetzt. Rebellion und Erreichen der Reife sind Stufen im Kampf mit dem Vater. Herbert Marcuse schreibt: „Das Individuum selber ist der lebendige Prozess der Vermittlung, in dem alle Unterdrückung und alle Freiheit verinnerlicht, zum eigenen Tun und Lassen des Individuums werden.“

Kurzbiographie: Herbert Marcuse

Herbert Marcuse wurde am 19. Juli 1898 in Berlin geboren. Im Jahr 1934 emigrierte der Philosoph, Politologe und Soziologe in die USA, wo er bis zu seiner Emeritierung als Professor für Philosophie an der Unsionale Mensch“, „Kultur und Gesellschaft I und II“ sowie „Ideen zu einer kritischen Theorie der Gesellschaft“. Herbert Marcuse starb am 29. Juli 1979 in Starnberg.

Von Hans Klumbies

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