Fritz Künkel erklärt das Wesen der Charaktertherapie

Was laut Fritz Künkel in der Psychotherapie wirklich heilt, ist die Wandlung im Werthorizont eines Menschen, wobei immer tief greifende Änderungen in der Grundstimmung, in der Verfassung des Geistes und der Motivationsbasis des Patienten zustande kommen. Angeblich führt seiner Meinung nach der Weg zur psychischen Gesundung über fundamentale Krisen hinweg zum inneren und äußeren Wachstum. Fritz Künkel schreibt: „Nur wer den Tiefpunkt seiner neurotischen Verirrungen erreicht hat, ist wahrhaft bereit, sich grundlegend umzustellen. So muss der Mensch erst ein gerütteltes Maß an Not, Leid und Schicksalsschlägen hinnehmen, bis ihm die Bedeutung der Hingabe an das Leben und der echten Wahrhaftigkeit aufgeht.“

Fritz Künkel bevorzugt die Gruppentherapie

Fritz Künkel lobt in seinem Buch „Charakter, Leiden und Heilung“ die Gruppenpsychotherapie, die seinen psychologischen Anschauungen, bei denen das Wir im Vordergrund steht, mehr entgegenkommt als die Individualtherapie. Er betont, dass die heilende Gruppe mehr Kraft und Vernunft als der einzelne Therapeut besitzt. In einer gut geleiteten Gruppe wird laut Fritz Künkel vor vornherein das Übertragungsgeschehen etwas neutralisiert, das zwar immer noch zur Geltung kommt und ein lehrreiches Studienfeld für die Selbsterkenntnis der Gruppenmitglieder ist.

Die Gruppenpsychotherapie ermöglicht eine bessere Richtigstellung der neurotischen Sichtweise als die Abgeschlossenheit des Gesprächs zu Zweit, wobei der Therapeut mit seiner ärztlichen Autorität allzu sehr als das alleinige Orakel der Wahrheit gilt. Fritz Künkel fordert die Vielsprachigkeit solcher Psychotherapiegruppen, wobei seiner Meinung nach darin alle möglichen Weltanschauungen, Meinungen, Geisteshaltungen und so weiter vertreten sein sollten. Außerdem schlägt er vor, dass eine Therapie des Charakters mit Gymnastik, der Schulung des Atems, einer Beratung zur gesunden Ernährung, Suggestion, Meditation und autogenem Training verbunden sein sollte.

Von Hans Klumbies

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