Erfolgreiche Teams zeichnen sich durch eine spezielle Stimmung aus

Synchrones Handeln steigert das Gruppengefühl und damit die Bereitschaft zur Kooperation. Deshalb finden sich in allen Kulturen vielfältige Methoden, der explizit der Synchronisierung von Verhalten dienen. Ulrich Schnabel nennt Beispiele: „Gemeinsames Singen, Tanzen oder Marschieren sind altbewährte Techniken eines sozialen Gleichklangs.“ Auch der Erfolg von Arbeitsteams hängt oft mehr vom koordinierten Miteinander ab als von den individuellen Fähigkeiten und Talenten der einzelnen Mitglieder. Der Netzwerkforscher Alex Pentland erklärt: „Der beste Weg, um ein erfolgreiches Team zu bilden, besteht nicht darin, Individuen nach ihren einzelnen Leistungen auszuwählen, sondern darin (…), ihnen erfolgreich Kommunikationsstrategien beizubringen.“ Wirklich erfolgreiche Teams zeichnen sich durch eine spezielle gemeinsame Stimmung aus, die diese Gemeinschaft charakterisiert. Ulrich Schnabel ist Wissenschaftsredakteur der Wochenzeitung „Zeit“ und Autor mehrerer erfolgreicher Sachbücher.

Starke Gefühle sind besonders leicht übertragbar

Das erklärt auch, zumindest zu einem Teil, die Attraktivität aller Arten von Gemeinschaftserlebnissen. Selbst Fußballfans wissen: Wichtiger als Punkte und Tore ist am Ende das Gefühl der Verbundenheit und ihre gemeinsame Stimmung. All diese Feststellungen haben tiefgreifend Folgen für das Erleben und das Wahrnehmen der Wirklichkeit. Ulrich Schnabel erläutert: „Denn durch das unbewusste Aufeinander-Einschwingen tauchen wir immer auch ein wenig in die Gedanken- und Gefühlswelt der anderen ein und verändern uns dadurch selbst unmerklich.

Als „emotionales Chamäleon“ nimmt man gleichsam die Farbe der Umwelt an, jedenfalls ein Stück weit, und je länger wir einem Einfluss ausgesetzt sind, umso stärker färbt er auf uns ab. Starke Gefühle scheinen besonders leicht von einer Person zur anderen zu springen. Auf ähnliche Weise ansteckend wirkt selbst der Hang zur Depression. Natürlich gibt es dabei große individuelle Unterschiede: Der eine hat eine dickere Haut und ist für die Emotionen seiner Mitmenschen weniger offen, während der andere höchst sensibel auf jede Art von Gefühlsansteckung reagiert.

Es findet ein ständiger emotionaler Austausch mit der Umwelt statt

Doch in gewissem Maße besitzen alle Menschen die Fähigkeit zur emotionalen Resonanz und reagieren deshalb unbewusst auf die emotionalen Einflüsse der Umwelt. Ulrich Schnabel rät: „Deshalb sollte man sich jene Menschen, mit denen man viel Zeit verbringt, nach Möglichkeit genau aussuchen. Man muss damit rechnen, dass mit der Zeit ihr Verhalten und ihre Gefühle allmählich auf einen übergehen. Das lässt sich gut an lange verheirateten Ehepartnern beobachten, die sich in ihrer Ausdrucksweise immer mehr aneinander angleichen.“

Menschen stehen emotional ständig im Austausch mit ihrer Umwelt, reagieren auf ihre Mitmenschen und werden durch diese Dynamik überhaupt erst zu fühlenden Wesen. Die Psychologin Elaine Hatfield betont: „Wir sind in der Lage, Gesichtsausdruck, Stimmlage und Körperhaltung von anderen mit erstaunlicher Schnelligkeit zu imitieren und uns in das Gefühlsleben anderer in überraschendem Maße einzufühlen.“ Und doch neigen erstaunlicherweise Menschen dazu, die Wichtigkeit dieser Synchronisierung in sozialen Begegnungen zu übersehen. Quelle: „Was kostet ein Lächeln“ von Ulrich Schnabel

Von Hans Klumbies

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