Egoismus kann zu Einsamkeit führen

Egoismus macht nicht glücklich! Diese Erkenntnis ist umso bedeutender, da die Wissenschaft eine eindeutige Zunahme egoistischer Tendenzen in der heutigen Zeit feststellt. Manfred Spitzer erläutert: „Wenn also die Menschen sich selbst mehr in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen und wenige für andere tun, dann muss dies auf weniger Glück und mehr Einsamkeit hinauslaufen.“ Nicht nur objektive soziale Isolation, sondern auch das Erleben von Einsamkeit verhindert prosoziale Handlungen und damit Erlebnisse des Glücks. Manfred Spitzer formuliert dies folgendermaßen: „Weil Menschen Gemeinschaftswesen sind, bereitet ihnen Einsamkeit Stress und Gemeinschaft Freude.“ Daher führen entsprechende Handlungen, die auf mehr Gemeinschaft hinauslaufen, zu größerem Wohlbefinden. Neurobiologische Befunde zeigen klar, dass die Einsamkeit eines anderen bei einem Kameraden oder Freund Schmerzen hervorruft und bei ihm soziales Handeln bewirkt. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.

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Viele Menschen leiden an einem Mangel an Sinn

Jährlich nehmen sich rund 58.000 Amerikaner das Leben. Die Zahl der Selbstmordversuche übersteigt die der gegangenen Suizide etwa um das Zehnfache. Uwe Böschemeyer fügt hinzu: „Jährlich leiden innerhalb der EU 18,4 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 65 an Depressionen. Diese Zahlen erschüttern mich.“ Heutzutage ist die Angst zum lebensbestimmenden Gefühl geworden. Uwe Böschemeyer meint damit die Angst vor den Tiefen oder Untiefen der eigenen Seele, die Angst vor anderen Menschen, die Angst vor der Welt, in der man lebt. Das gilt nicht nur für Europa, das gilt weltweit. Und keineswegs nur wegen der Finanzkrisen. Viele Menschen wissen davon nicht nur aus Büchern oder den Medien. Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.

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Die Entdeckung einer Affäre ist eine Katastrophe

Gäbe es eine Richterskala für emotionale Erdbeben, würde die Entdeckung einer Affäre am obersten Ende der Skala rangieren. Manche Menschen erholen sich schnell, doch die Mehrheit fühlt sich, als wären sie an einem vermeintlich erdbebensicheren Ort von einer seismischen Katastrophe überrascht worden. Shirley P. Glass betont: „Sie sind in keinster Weise auf die Erschütterung vorbereitet, die ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht und ihr häusliches Leben zerstört. In den ersten Minuten und Stunden nach der Enthüllung eines Betrugs sind die Gefühle außer Kontrolle.“ In den unmittelbar folgenden Tagen und Wochen werden sowohl der betrogene als auch der untreue Partner und der oder die Geliebte von Gefühlen enormen Verlusts überwältigt. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

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Bauchgefühl und Reflexion bilden ein gutes Team

Im Allgemeinen sind viele Menschen geneigt, ihren Eingebungen und Ahnungen zu trauen. Warum ist das so? John Bargh erläutert: „Prinzipiell aus demselben Grund, aus dem wir unseren Sinnen trauen. Informationen, die uns mühelos und auf natürliche Weise zu Bewusstsein kommen, ohne dass wir versuchen sie zu ergründen oder auf sie Mühe verwenden, scheinen wahr und einfach da zu sein.“ Dabei gilt: Je anstrengender ein bestimmter Gedanke auftaucht, ohne dass man versucht hat, ihn herbeizuführen, desto höher schätzt man seinen Wert und desto weniger bezweifelt man seine Wahrheit. Der Mensch ist darauf programmiert, seinen Sinnen zu vertrauen, ohne sie anzuzweifeln. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

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Der Narzissmus erzeugt ein künstliches Selbst

Der amerikanische Journalist David Brooks setzt den Narzissmus mit Egomanie gleich. Seine Abhandlung „Charakter“ stellt die Menschen und insbesondere die Jugend der Gegenwart als egoorientierte, sich selbst vermarktende, kaum mehr Werten verpflichtete Wesen dar. Georg Milzner ergänzt: „Von ihren Eltern dahingehend geprägt, sich selbst als besonders und wertvoll anzusehen, betrachten sie, so Brooks, das Leben als etwas, das ihnen Erfüllung bieten soll, anstatt sich zu fragen, was das Leben und die Erfordernisse von ihnen verlangen könnten.“ David Brooks stellt die Wertfrage auf eine Weise, die in der Betrachtung der jungen Generation vor allem zu Abwertungen führt. Indem er bedeutende amerikanische Beispiele für Mut, Opferbereitschaft und Solidarität bemüht, erscheinen die Menschen unserer Tage als gierige Selbstbefriediger, denen jegliches Gefühl für echte Werte fehlt. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

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Das Bewusstsein vermittelt Aspekte des eigenen Seins

Unter normalen Umständen, wenn Menschen wach und aufmerksam sind und weder aufregt sind noch angestrengt nachdenken, haben die Bilder, die ihnen durch den Kopf gehen, einen Blickwinkel: ihren. Antonio Damasio ergänzt: „Wir erkennen uns spontan selbst als Subjekt unseres mentalen Erlebens. Die Inhalte in meinem Kopf gehören mir, und ich gehe automatisch davon aus, dass die Inhalte in deinem Kopf dir gehören.“ Wenn zwei Menschen gemeinsam dieselbe Szene betrachten, erkennen sie sofort, dass ihre Blickwinkel unterschiedlich sind. Das Bewusstsein erlaubt seinem Besitzer, ganz privat die Welt um sich herum zu erleben und – was ebenso wichtig ist – Aspekte des eigenen Seins zu erfahren. Antonio Damasio ist Professor für Neurowissenschaften, Neurologie und Psychologie an der University of Southern California und Direktor des dortigen Brain and Creative Institute.

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Martha Nussbaum beschreibt einige menschliche Schwächen

Die Verachtung gleicht dem Zorn darin, dass sie ein Zielobjekt und einen Fokus hat: Ihren Fokus bilden eine oder mehrere Eigenschaften einer Person und ihr Zielobjekt ist die aufgrund dieser Eigenschaften als niedrig oder gering geltendes Individuum. In beiden Fällen handelt es sich bei dem Zielobjekt um eine Person. Martha Nussbaum ergänzt: „Der Fokus des Zorns aber liegt auf einer Handlung, jener der Verachtung auf einer oder mehreren relativ beständigen Persönlichkeitseigenschaften.“ Die Verachtung nimmt ihren Anfang in der angeblichen Niedrigkeit einer Person, der gewisse gute Charaktereigenschaften abgesprochen werden, seien es moralische oder soziale.“ Die ablehnende Haltung resultiert also aus der wahrgenommenen Niedrigkeit. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart.

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Die Wahrheit wird von einem sozialen Dialog bestimmt

Wer anderen mit Vorurteilen begegnet, ist selbst bereits einer Beeinflussung seiner freien Willensbildung erlegen. Der freie Wille, so würde man es sich auf den ersten Blick wohl wünschen, sollte aber nicht auf Beeinflussungen, sondern auf der Erkenntnis der Wahrheit beruhen. Allerdings gilt: Alle Meinungs- und Willensbildungen, an deren Ende man etwas als wahr und gültig erkennt, resultieren aus sozialen Prozessen der Verständigung, die unausweichlich immer auch mit Beeinflussungen verbunden sind. Joachim Bauer fügt hinzu: „Diese Beeinflussungsprozesse sind Teil des natürlichen Bedingungsgefüges, in dem sich der freie Wille formiert. Sie sind teils offener, teils verborgener Natur.“ Das Ziel kann nicht sein, sie zu verhindern, denn dies wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer lehrt an der Universität Freiburg.

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Ohne Aufklärung gibt es keinen freien Willen

Nur ein kleiner Teil dessen, was die Wahrnehmung des Menschen erreicht, findet auch Eingang in das Bewusstsein. Allerdings hindert dies die zahlreichen nicht bewusst registrierten Wahrnehmungen nicht daran, in uns eine Wirkung zu entfalten. Vom Bewusstsein nicht aufgenommene Signale können das Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Joachim Bauer betont: „Die Annahme, die Existenz des Unbewussten bedeute per se die Außerkraftsetzung unseres freien Willens, halte ich jedoch für unbegründet, eine Sichtweise, die auch von anderen Neurowissenschaftlern geteilt wird.“ Das Unbewusste ist ein Teil der Person, deren übergeordneten Interessen es zuarbeitet. Es erspart den Menschen, alle kognitiven Verarbeitungsprozesse über die manchmal anstrengende und zeitaufwendige Schiene des bewussten Denkens laufen lassen zu müssen. Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer lehrt an der Universität Freiburg.

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Einsamkeit macht krank und kann zum Tod führen

Angesichts der nachgewiesenen ungünstigen Auswirkungen von Einsamkeit und sozialer Isolation auf die Morbidität und Mortalität – man wird krank und stirbt daran – wundert sich Manfred Spitzer darüber, dass vergleichsweise wenig getan wird, um etwas zu ändern. Denn Einsamkeit kann im Prinzip jeden treffen, beispielsweise auch Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen, Sport oder Politik. Manfred Spitzer rät: „Wer von Einsamkeit betroffen ist, sollte daher nicht abwarten, bis das Problem irgendwann auf dem öffentlichen oder gar politischen Radarschirm erscheint.“ Und selbst wenn es öffentliche Kampagnen auch in Deutschland einmal geben sollte, wäre dies ja nur der Anfang. Der erste Schritt zur Lösung eines Problems besteht meistens darin, es zunächst einmal zu erkennen und seine ganze Tragweite zu ermessen. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.

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