Manche Menschen gieren förmlich nach Aufmerksamkeit

Das Bedürfnis wahrgenommen zu werden, kann einen Menschen weit bringen. Babys zum Beispiel schreien sich fast die Lunge aus dem Hals, nur damit Mutter oder Vater zu ihrem Bettchen treten. Georg Milzner nennt ein anderes Beispiel: „Wer in der Schulklasse übergangen wird und keine herausragende Begabung hat, mit der sich Eindruck schinden lässt, der wird vielleicht zum Klassenclown, weil Gelächter immer noch besser ist, als ignoriert zu werden.“ In der Pubertät dann stellen manche schon etwas an, nur um sicherzustellen, dass sie auch etwas abkriegen von jener Aufmerksamkeit, die viele Menschen scheinbar so dringend brauchen. Manche von ihnen gieren förmlich nach Aufmerksamkeit. Schon als Jugendliche stellen sie durch ironische Bemerkungen sicher, dass sie wahrgenommen werden. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

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Uwe Böschemeyer erzählt von den hellen Farben der Seele

Unter den hellen Farben der Seele versteht Uwe Böschemeyer spezifisch menschliche Werte wie Freiheit, Verantwortlichkeit, Liebe, Mut, Hoffnung, Kreativität und Spiritualität. Sie gründen laut Viktor Frankl im „geistig Unbewussten“, kommen allerdings in den Wissenschaften, im gesellschaftlichen Leben, im konkreten Dasein der Menschen überhaupt viel zu kurz. Von den hellen Farben der Seele handelt das neue Buch von Uwe Böschemeyer. Er nennt sein Konzept Wertorientierte Persönlichkeitsbildung, die er als einen eigenständigen Entwurf, zugleich als ein logotherapeutisches Präventionskonzept versteht. Uwe Böschemeyer vertritt die These, dass die Menschheit in einer Zeit lebt, in der die Angst zu einem lebensbestimmenden Gefühl geworden ist: „Die Angst unter uns ist so groß, weil der Mangel an Sinn so groß ist.“ Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.

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Die frühe Kindheit entscheidet über das spätere Leben

Idealerweise wird durch die Liebe zwischen Mutter und Kind der Urgrund der Liebesfähigkeit des Nachwuchses geschaffen. Andreas Salcher fügt hinzu: „Jene fundamentale Erfahrung intimer Verbundenheit entsteht durch die körperliche, emotionale und psychische Nähe. Sie weckt die Sehnsucht, später eine ähnliche intime und vertrauensvolle Beziehung zu einem Liebespartner zu finden.“ Ein Kleinkind entwickelt in den ersten drei Jahren ein Grundgefühl, welchen Situationen und Menschen es vertrauen kann und welchen nicht. Entscheidend für die Bildung jenes Urvertrauens sind die unmittelbaren Bezugspersonen, also die Eltern, primär die Mutter nach der Geburt. Die bei der Wahrnehmung der Umwelt gewonnenen positiven Erfahrungen statten ein Kind mit hohem Grundvertrauen darin aus, dass es die Welt gut mit ihm meint und es angenommen und geliebt wird. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Auch normale Menschen genießen Grausamkeiten

Laut der Sozialpsychologen Roy Baumeister und Keith Campbell stellt der „Sadismus, definiert als das unmittelbare Erleben von Lust durch das Quälen anderer, den offensichtlichsten intrinsischen Anreiz zu bösen Taten dar“. Julia Shaw stellt fest: „Sie argumentieren, dass das Vorhandensein von Sadismus alle anderen Theorien oder Erklärungen des Bösen obsolet macht; sie meinen also, man brauche keine anderen Theorien des Bösen, Sadismus sei immer der Grund, warum Menschen Böses tun.“ Roy Baumeister und Keith Campbell schreiben: „Die Leute tun es, weil es sich gut anfühlt; mehr brauchen wir dazu nicht zu sagen.“ Erin Buckels und Kollegen argumentieren ebenfalls, dass Sadismus eigentlich ziemlich normal sei. Sie behaupten, dass „derzeitige Auffassungen von Sadismus selten über jene von sexuellen Fetischen hinausgehen.“ Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz.

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Der Gesichtsausdruck ist eines der stärksten Signale

Die äußere Erscheinung kann täuschen. Es ist das Verhalten einer Person, das zählt, nicht ihr Gesicht. John Bargh gibt zu: „Verstandesmäßig wissen wir das natürlich alle, aber es ist sehr schwierig, über den Eindruck hinwegzukommen, den uns das Gesicht einer anderen Person vermittelt, vor allem über unseren ersten Eindruck.“ Es ist nicht so, als würden die Menschen denken, sie könnten jemand anderem allein schon am Gesicht ablesen, wie er ist. Vielmehr sind sie sich vom Gefühl her absolut sicher, recht zu haben in dem, was sie über den anderen denken. Manchmal tun sie so, als wäre das Gesicht eines anderen ein Fenster zu seinem emotionalen Zustand. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

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Erwachsene können Kindern die Angst nehmen

Eltern würden ihre Kinder am liebsten von allem Schlechten und Gefährlichen auf der Welt fernhalten. Dass dies gelingen kann, ist genauso eine Illusion wie absolute Sicherheit. Georg Pieper aber weiß: „Wir können allerdings dafür sorgen, dass sich Kinder und Jugendliche durch Ereignisse wie den Amoklauf in München oder die Terroranschläge in Paris nicht unmittelbar bedroht fühlen.“ Außerdem können die Eltern die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie Flüchtlingen ohne unnötige Ängste begegnen. Kinder treffen Ereignisse wie die islamistischen Terroranschläge von Brüssel, Berlin und Paris häufig stärker als Erwachsene. Es handelt sich hier um von Menschenhand verursachte Gewalt. Aus der Traumaforschung weiß Georg Pieper, dass diese Traumatisierungen die schwersten sind. Der Psychologe, Therapeut und Traumaexperte Georg Pieper betreut seit Jahrzehnten Menschen nach extremen Katastrophen.

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Antonio Damasio kennt den Ursprung der Gefühle

In dem Szenario, das Antonio Damasio derzeit bevorzugt, wurde das Leben anfangs ohne irgendwelche Gefühle reguliert. Es gab weder einen Geist noch ein Bewusstsein. Mit der Entstehung der Nervensysteme, die zur Kartierung und Bilderstellung in der Lage waren, eröffnete sich der Weg, auf dem einfache Formen des Geistes auf der Bildfläche erscheinen konnten. Antonio Damasio erläutert: „Während der kambrischen Explosion, nach zahlreichen Mutationen, erzeugten manche Lebewesen mit einem Nervensystem nicht nur Bilder der Umwelt, sondern auch ein bildliches Gegenstück zu dem umfangreichen Prozess der Lebensregulation, der sich im Hintergrund abspielte.“ Damit war die Grundlage für einen entsprechenden mentalen Zustand geschaffen. Antonio Damasio ist Professor für Neurowissenschaften, Neurologie und Psychologie an der University of Southern California und Direktor des dortigen Brain and Creative Institute.

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Adolf Hitler ist für immer mit der Vorstellung des Bösen verbunden

Wer über das Böse nachdenkt, kommt nicht selten irgendwann auf Adolf Hitler zu sprechen. Julia Shaw erläutert: „Das verwundert nicht bei einer Person, die u. a. für Massenmord, Zerstörung, Krieg, Folter und Volksverhetzung die Verantwortung trug.“ Die Geschichte und die Welt er werden für immer durch die Erinnerung an ihn beschmutzt sein. Wegen der Vielfalt und des Ausmaßes der Verwüstung, für die Adolf Hitler direkt und auch indirekt verantwortlich war, sind etliche Bücher über seine Beweggründe, seine Persönlichkeit und sein Handeln geschrieben worden. Die Menschen wollen schon lange wissen, warum und wie aus ihm der Mann wurde, den man aus den Geschichtsbüchern kennt. Statt die Einzelheiten seines Handelns zu analysieren, richtet Julia Shaw ihr Augenmerk auf folgende Frage: „Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie Hitler als Baby töten?“ Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz.

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Beim Vertrauen handelt es sich um eine angeborene Neigung

Die Natur hat den Menschen mit Eigenschaften ausgestattet, um beurteilen zu können, wem er vertraut und mit wem er kooperieren kann. Dabei handelt es sich um ein Erbe der fernen stammesgeschichtlichen Vergangenheit, in der die Menschen einander die gefährlichsten Wesen waren. Diese Eigenschaften beziehen sich darauf, ob die anderen Menschen einem selbst ähneln oder nicht. In den letzten 50 Jahren wurden auch auf dem Feld der Sozialpsychologie zahllose Forschungen zum dem Themenbereich Eigengruppe versus Fremdgruppe und die Konsequenzen aus dieser Unterscheidung durchgeführt. John Bargh kennt die Ergebnisse: „Sie belegen, dass wir schon von sehr jungen Jahren an auf die Unterscheidung von Eigengruppe und Fremdgruppe eingestellt sind, was wiederum darauf schließen lässt, dass es sich um eine angeborene Neigung handelt.“ Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

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Das künstliche Selbst verbirgt die Persönlichkeit

Wo das eigene Selbstbild – die Vorstellung, die ein Mensch von sich selbst macht – von Selbsterleben ergänzt wird – ist die Herrschaft der inneren Bilder auf gesunde Weise gebrochen. Georg Milzner erläutert: „Wir entwerfen Bilder von dem, was wir sein möchten oder zu erreichen anstreben, fühlen uns aber auch in dem, was wird jetzt sind.“ Nicht immer werden die eigenen Bilder von anderen geteilt. Dann kommt es zu einem Konflikt, und man erlebt Spannungen, in deren Bewältigung sich die wachsende Psyche stärkt und bewährt. Im besten Fall wird dabei die Selbstwahrnehmung schärfer, und die Fähigkeit sich selbst auszubalancieren, nimmt zu. Denn normalerweise bildet sich ein Mensch ja nicht nur innerlich ab, er handelt und fühlt und bekommt Rückmeldungen. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

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