Über Skandale können die Schattenseiten des Daseins ausagiert werden. Alle Menschen kennen die Gefühle des Neids, können eifersüchtig sein, haben sexuell Fantasien, sind von Gier getrieben oder kämpfen mit Gelüsten der Rache. Allan Guggenbühl fügt hinzu: „Solche Empfindungen gestehen wir uns jedoch nicht ein. Wir lassen sie nicht zu, da sie im Widerspruch zu unserem Selbstbild stehen.“ Die meisten Menschen versuchen gut zu sein und verdrängen Eigenschaften, die zwar menschlich, aber unerwünscht sind. Skandale bringen diese zum Vorschein. Statt über sich selbst nachzudenken, regt man sich über das finstere Treiben anderer Menschen auf. Man kann sich dann mit seinen Mitmenschen im Kampf gegen diese unheimlichen Seiten verbünden und sich gleichzeitig selbst beweisen, dass man eben nicht so ist. Allan Guggenbühl ist seit 2002 Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich tätig. Außerdem fungiert er als Direktor des Instituts für Konfliktmanagement in Zürich.