Vor zehn Jahren erschien eine ganze Serie von Texten über die sonderbare Verweichlichung junger Männer: Die neue Männergeneration sei ängstlich und gehemmt. Eine Dekade später hat sich das Blatt gewendet. Tobias Haberl schreibt: „Inzwischen haben sich die Melancholiker von damals in gnadenlose Pragmatiker verwandelt, deren Lebensziel darin zu bestehen scheint, keine Fehler zu machen, niemanden vor den Kopf zu stoßen und auf einem Handy mit möglichst langer Akkulaufzeit herumzuwischen.“ Wenn sie mit einer mediterranen Bowl in den Hotspots urbanen Lebensgefühls rumsitzen oder zur „Power Hour“ im Fitnessstudio aufkreuzen, muss Tobias Haberl immer an Gärten in Neubausiedlungen denken, in denen vor lauter geometrischer Kiesbeete, nichts mehr blüht oder duftet. Der Literaturwissenschaftler Tobias Haberl schreibt für das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Sein letztes Buch „Die große Entzauberung – Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen“ wurde ein Bestseller.