Allgemein besteht Einigkeit darüber, dass kreative Problemlösung häufig mit der „Erfindung einer neuen Analogie“ zu tun hat. Manchmal spricht man auch davon, das Problem werde „restrukturiert“. David Gelernter erläutert: „Wenn wir plötzlich einen Zusammenhang zwischen zwei Sachverhalten erkennen, die in unserem Sprechen oder Denken in der Regel nicht zusammen vorkommen, haben wir die Grundlage für eine neue Analogie oder einen kreativen Gedanken.“ Inspiration ereignet sich in der Mehrzahl der Fälle auf einer achselzuckenden Ebene der ganz gewöhnlichen, wenig bemerkenswerten Gedanken des Alltags. Aber vielfach hat eine wichtige Inspiration auch die gleichen bescheidenen Anfänge: eine „neue Analogie“. Indem man ein rätselhaftes Etwas mit etwas anderem vergleicht, reißt man eine Öffnung in das alltägliche Gewebe des Geisteslebens und blickt hindurch. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University.
Inspiration
Kreativität hat man oder man hat sie nicht
Viele Menschen vergöttern die Kreativität, und sie wissen, dass sie selten ist. Wenn man sie verstehen würde, könnte man auch lehren. Und dann könnte jeder kreativ sein. David Gelernter erläutert: „Diese einfache, höchst begeisternde, ja zugleich rührende und zugleich alles andere als überzeugende Auffassung hat sich seit der Ära der absoluten Fortschrittsgläubigkeit, seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, erhalten.“ Damals war man sich in den Vereinigten Staaten sicher, dass jeder alles lernen kann. Kreativität ist so ein schwieriges Thema, weil man sie nicht Schritt für Schritt erlangen kann. Es ist das Verwirrende und Frustrierende an der Kreativität: Hier gibt es keinen Weg, um auch nur eine Grundkompetenz zu erwerben. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University.