Schuldgefühle sind unangenehm

Die Biologie hat die Menschheit wohl nur jene Gefühle vererben lassen, die grundsätzlich sinnvoll sind. Oder zumindest in der Steinzeit gut für die Menschen waren. Das wichtigste: Menschen strengen sich an, verinnerlichten Gesetzen zu folgen, damit sie sich eben nicht schuldig fühlen müssen. Helga Kernstock-Redl erläutert: „Denn weil Schuldgefühle so unangenehm sind, wollen wir instinktiv vermeiden, unrecht zu handeln.“ Diese Dynamik hat der Menschheit bei der Selbst- und Arterhaltung geholfen und wurde deshalb irgendwann zur emotionalen Standardausrüstung. Wer frei von Schuldgefühlen und zugleich als Teil einer Gruppe leben will, verinnerlicht und beachtet zumindest teilweise die moralischen und sozialen Regeln, die dort herrschen. Das sorgt für Anerkennung, soziale Sicherheit und viele andere Vorzüge. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.

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Realistische Ziele führen zu einem zufriedenen Leben

Kränkungen resultieren oft aus nicht erfüllten positiven Erwartungen. Deshalb haben sie viel mit Einstellung, Selbstbild, Hoffnung und Wünschen, vor allem aber mit Enttäuschung zu tun. Reinhard Haller weiß: „Zufrieden und ungekränkt kann man leben, wenn realistische Ziele angestrebt und unsere Erwartungen erfüllt werden. Geschieht dies nicht, reagieren wir mit Enttäuschung und Kränkung.“ Man muss erkennen, dass das von einem selbst gemachte Bild – das Selbstbild – in wichtigen Punkten nicht mit jenem der Mitmenschen harmoniert, dass die eigene Einstellung nicht richtig war und dass sich die persönlichen Erwartungen als irreal erwiesen haben. Darauf reagieren die meisten Menschen mit Ärger, Frustration, Enttäuschung und in weiterer Folge mit Kränkung. Enttäuschung bedeutet zunächst, dass Erwartungen nicht erfüllt und man getäuscht worden ist. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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