Menschen wünschen sich Verbundenheit

Die Grundmotivation psychisch durchschnittlich gesunder Menschen ist darauf ausgerichtet, sich sozial akzeptiert, mit anderen Menschen verbunden und zugehörig zu wissen. Das auf soziale Verbundenheit gerichtete Grundmotiv setzt nicht voraus, dass das Zusammensein mit anderen immer „Spaß“ machen muss. Joachim Bauer weiß: „Gemeinsam einer schwierigen Situation ausgesetzt zu sein hat meistens sogar eine sozial besonders verbindende Wirkung.“ Auch wenn sich Menschen soziale Verbundenheit auch dann wünschen, wenn keine hedonistischen, also keine genüsslichen Aspekte im Spiel sind, machen gelingende Gemeinschaft, Kooperation und Gegenseitigkeit den meisten Menschen große Freude. Allerdings hat sich die Annahme als falsch erwiesen, dass schon von alleine sozusagen alles gut wird, wenn Menschen sich verbinden und verbünden. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Bestsellerautor von Sachbüchern.

Verbundenheit kann man auf zweierlei Wegen erlangen

Dies zeigt sowohl ein Blick auf die historische Vergangenheit Deutschlands als auch auf die aktuelle Gegenwart. Fanatisierte Menschenmengen können Hass und Gewalt verbreiten und ein Land an den Rand des Abgrunds bringen. Andererseits können solidarisch, diszipliniert und friedlich auftretende Menschenmengen die Welt auch zum Guten verändern. Joachim Bauer nennt als Beispiele die Freiheitsbewegungen in Indien, Südafrika oder – in Deutschland – die Friedliche Revolution des Jahres 1989.

Wenn Menschen Teil einer Gemeinschaft werden, kann dies gute, die Empathie fördernde, aber auch negative Folgen bis hin zur Unmenschlichkeit haben. Verbundenheit können Menschen auf zweierlei Wegen erlangen. Einerseits durch persönliche Beziehungen, die sich zweiseitig oder in kleinen, eher privat gehaltenen Freundeskreisen abspielen, andererseits durch die Zugehörigkeit zu größeren Gruppen. Die Kunst, wenn schon nicht „eines Freundes Freund zu sein“, so doch mindestens mit einigen Mitmenschen in einigermaßen guter Verbindung zu stehen, beherrschen vor allem jene Menschen, die über die Fähigkeit zur Empathie verfügen.

Einsamkeit macht krank

Da die Fähigkeit zur Empathie meistens mit Offenheit und Verträglichkeit einhergeht, leuchtet ein, dass Menschen, denen diese Eigenschaften abgehen, es schwerer haben, sozialen Anschluss zu finden. Betroffene erleiden dadurch erhebliche Nachteile, unabhängig davon, wodurch ihre Isolation verursacht wurde. Joachim Bauer erklärt: „Der Mensch ist für zwischenmenschliche Empathie gemacht und wird krank, wenn es ihm daran mangelt. Sozial isoliert und einsam lebende Menschen haben ein erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko.

Die negativen Auswirkungen von chronischer Einsamkeit und andauernder sozialer Isolation auf die Sterblichkeit entsprechen beziehungsweise übertreffen sogar jene des Rauchens, des Alkohols und des Übergewichts. Obwohl über den Einfluss von sozialer Verbundenheit und Unterstützung auf Erkrankungsrisiken und Sterblichkeit unangreifbare, verlässliche Daten vorliegen, wird der Zusammenhang in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch teils nicht gesehen, teils unterschätzt. Einsame und isoliert lebende Menschen gehen der Gesellschaft als engagierte Bürger verloren. Quelle: „Fühlen, was die Welt fühlt“ von Joachim Bauer

Von Hans Klumbies

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