Die Unheimlichkeit ist eine Erscheinung des Alltags

Viele Menschen verwenden manchmal Begriffe, mit denen sie Personen, die sie nicht wirklich kennen, negative Eigenschaften zuschreiben. Julia Shaw nennt Beispiele: „Dieser Typ ist „creepy“, mir also unheimlich. Was für ein komischer Kauz. Wir sprechen hier von Unheimlichkeit oder Seltsamkeit so, als seien sie ein Wesenszug der Person statt das Ergebnis einer Situation.“ Bis vor Kurzem gab es noch keine Wissenschaft, die half, Unheimlichkeit zu verstehen. Die erste empirische Studie zu diesem Thema wurde 2016 von Francis McAndrew und Sara Koehnke veröffentlicht, die dieses scheinbar schwer fassbare Phänomen verstehen wollten. „Angesichts seiner Verbreitung im alltäglichen Sozialleben der Menschen überrascht es sehr, dass niemand es auf wissenschaftliche Weise untersucht hat“, so die Autoren. Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz.

Unheimlichkeit kann eine Warnung vor Schaden sein

Was passiert also, wenn man jemanden unheimlich findet? Laut Francis McAndrew und Sara Koehnke ist „sich gruseln“ die Folge davon, dass ein innerer Gefahrendetektor einen Menschen wissen lässt, dass etwas nicht stimmt, indem er dafür sorgt, dass der Betroffene ein mulmiges Gefühl hat oder „eine Gänsehaut“ bekommt. Unheimlichkeit, räsonieren die beiden Forscher, „kann nicht einfach eine deutliche Warnung von physischem oder sozialem Schaden sein.“

Im Rahmen einer Studie assoziierten die Teilnehmer eine Reihe von Charakteristika mit Unheimlichkeit: extremes Dünn sein, psychisch krank sein, die Tatsache, seltsames Lächeln, fettiges Haar, Glotzaugen, lange Finger, ungekämmtes Haar, sehr blasse Haut, Tränensäcke unter den Augen, merkwürdige oder schmutzige Kleidung, Lachen an unvorhersehbaren Stellen, unangemessene Emotionen, die Unterhaltung auf Sex lenken. Das sind viele unterschiedliche Dinge, die jemanden, vor allem Männer, gruselig erscheinen lassen.

Unheimliche Menschen jagen ihren Mitmenschen Angst ein

Womit verdienen unheimliche Menschen ihren Lebensunterhalt? Die gruseligsten Berufe sind offenbar – in dieser Reihenfolge – Clown, Tierpräparator, Sexshop-Besitzer und Bestattungsunternehmer. Der am wenigsten gruselige Beruf? Meteorologe. Darüber hinaus wissen unheimliche Leute nach allgemeiner Auffassung nichts von ihrer Unheimlichkeit. Die Forscher fragten außerdem die Studienteilnehmer, wie unheimliche Menschen im Wesentlichen seien, und die meisten der Merkmale ließen sich in drei Hauptkategorien einordnen. Erstens jagen sie ihren Mitmenschen Angst ein. Zweitens wird Unheimlichkeit als Teil der Persönlichkeit des Individuums erlebt statt als dessen Verhalten. Drittens glauben viele Menschen, dass die Betroffenen ein sexuelles Interessen an einem haben könnten.

Die Wissenschaftler erklären: „Individuen, die unübliche Muster nonverbalen Verhaltens, seltsame emotionale Reaktionen oder stark ausgeprägte physische Merkmale haben, mögen nicht übermäßig bedrohlich wirken, doch sie befinden sich außerhalb der Norm und sind per definitionem unberechenbar. Dies könnte unseren >Unheimlichkeitsdetektor< aktivieren und unsere Wachsamkeit erhöhen, während wir versuchen herauszufinden, ob wir von der anderen Person tatsächlich etwas Beängstigendes zu erwarten haben oder nicht.“ Quelle: „Böse“ von Julia Shaw Von Hans Klumbies

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