Schuldzuweisungen sind massiv verletzend

Hinter verzweifelten oder zornigen Schuldzuweisungen steckt in manchen Fällen das Bedürfnis nach einem Sicherheitsgefühl. Helga Kernstock Redl erläutert: „Unterschiede und schuldhafte Fehler werden sogar extra konstruiert, um einem Pechvogel, möge dieser in Wahrheit noch so unschuldig an einer Situation sein, Mitschuld an seinem Unglück zuzuweisen.“ Für Angehörige von Verstorbenen, Kranken oder Verunfallten ist das naturgemäß kränkend, für Betroffene selbst sind solche Reaktionen regelrecht katastrophal und seelisch massiv verletzend. Werden sie dann noch durch eine mediale Form der Informationsaufbereitung, die den Opfern Schuld zuweist, gezielt in der Denkrichtung beeinflusst und emotionalisiert, lässt sich noch sicherer auf diejenigen schimpfen, die schließlich „an ihrem Unglück selbst schuld“ sind. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.

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