Resilienz kann nicht nur dazu beitragen, dass bei der Konfrontation mit Belastungen psychische Störungen vermieden werden. Frauke Rostalski fügt hinzu: „Darüber hinaus kann sie bewirken, dass „Wendepunkte“ erst gar nicht eintreten, indem sich das Individuum kontinuierlich an die Änderungen äußerer und innerer Lebensbedingungen anpasst. Zudem erhöhen Resilienzerfahrungen selbst die psychische Widerstandskraft, indem sie das Selbstwertgefühl steigern.“ Die Förderung von Resilienz lässt sich daher als Antwort auf Vulnerabilität verstehen. Verletzlichkeit kann vermieden, gelindert oder zumindest so kompensiert werden, dass sie keinen maßgeblichen Einfluss auf die Autonomie und Teilhabemöglichkeit des Menschen hat. Hierzu trägt die Stärkung jener Faktoren bei, die Resilienz begründen. Während Vulnerabilität sämtliche Merkmale umschreibt, die eine Person in einer Situation mit hohen Anforderungen schwächen, umfasst Resilient alles Stärkende. Frauke Rostalski ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie, Wirtschaftsrecht, Medizinstrafrecht und Rechtsvergleichung an der Universität zu Köln.
Leiden
Leiden und Glück lässt sich nicht trennen
Die Auffassung, dass das Glück der Menschen vor allem etwas mit ihrer Sterblichkeit und der Vergänglichkeit zu tun hat, war in der Antike weit verbreitet. Im praktischen Leben kann diese Einsicht helfen, besser mit Schmerz, Trauer und Verlust umzugehen. Denn dann versteht man, dass diese Aspekte des Lebens notwendig mit Glück und Freude verbunden sind. Albert Kitzler stellt fest: „Wir können das eine nicht ohne das andere haben. Sie sind wie mit einem Strick zusammengeknotet, bemerkte Sokrates einmal.“ Das Verstehen dieser Lebenstatsache macht die Menschen duldsamer und stärker. So können sie unvermeidbares Leiden leichter ertragen. Man kann dann damit umgehen, die emotionale Erschütterung, die von solchen Leiden ausgeht, abzufedern und in seiner Mitte zu bleiben. Der Philosoph und Jurist Dr. Albert Kitzler ist Gründer und Leiter von „MASS UND MITTE“ – Schule für antike Lebensweisheit.
Viele Menschen gehen gewandelt aus einem Leid hervor
Leiden lehrt seltsamerweise auch Dankbarkeit. In normalen Zeiten behandeln Menschen die Liebe, die sie empfangen, als einen Grund zur Selbstzufriedenheit, aber in Zeiten des Leidens erkennen sie, wie unverdient diese Liebe ist und dass sie viel mehr ein Grund zur Dankbarkeit sein sollte. In stolzen Momenten will man unter keinen Umständen das Gefühl haben, in jemandes Schuld zu stehen, doch in Momenten der Demut wissen Menschen, dass sie die Zuneigung und Anteilnahme, die sie erhalten, nicht verdienen. David Brooks fügt hinzu: „Menschen in solcher Situation haben oftmals auch das Gefühl, Teil eines umfassenden Schicksalszusammenhangs zu sein.“ Inmitten von Bedrängnissen beginnen Menschen, eine Berufung zu spüren. David Brooks arbeitet als Kommentator und Kolumnist bei der New York Times. Sein Buch „Das soziale Tier“ (2012) wurde ein internationaler Bestseller.
Ein Leidender stößt in unbekannte Tiefen vor
Wenn die meisten Menschen an die Zukunft denken, wünschen sie sich einen Zustand stabiler Zufriedenheit im Leben. Aber es gibt ein interessantes Phänomen. Wenn sich Menschen an die entscheidenden Ereignisse erinnern, die ihre Persönlichkeit formten, sind dies in der Regel keine „Glücksmomente“. David Brooks erklärt: „Am prägendsten scheinen vielmehr die leidvollen Erfahrungen zu sein. Die meisten Menschen greifen nach dem Glück, haben aber das Gefühl durch Leiden geformt zu werden.“ Für die meisten Menschen ist Leiden nichts an sich Wertvolles oder Edles. So, wie Scheitern manchmal einfach nur Scheitern ist, so ist Leiden manchmal nur zerstörerisch und sollte so schnell wie möglich beendet oder therapeutisch behandelt werden. David Brooks arbeitet als Kommentator und Kolumnist bei der New York Times. Sein Buch „Das soziale Tier“ (2012) wurde ein internationaler Bestseller.