Die Realität des Krieges kennt Sigmund Freud, wie er selbst einräumt, nur als Beobachter aus der Ferne. Noch gibt es keine traumatisierten Kriegsrückkehrer, die sich auf seine Couch legen, und so bemerkt er: „Es wäre gewiss sehr interessant, die Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer zu studieren, aber ich weiß zu wenig darüber.“ Was für ein Fundus wäre, so lässt sich aus heutiger Sicht sagen, Ernst Jünger für Sigmund Freud gewesen. Svenja Flaßpöhler ergänzt: „Und wie sehr hätte der Begründer der Psychoanalyse seine Hypothesen über das Unbewusste durch jenen Mann, der zu den Kriegsbegeistertsten und auch, nach damaligen Kategorien, Heldenhaftesten seiner Zeit zählte, bestätigt gefunden.“ Während Sigmund Freud in Wien versucht, den „Wirbel dieser Kriegszeit“ zu verstehen, macht Ernst Jünger Erfahrungen als Soldat, die er in Tagebüchern festhält. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazin“.