Hoher Medienkonsum kann zu Stress und Depressionen führen

Manfred Spitzer vertritt die These, dass vor einem Bildschirm selten jemand richtig glücklich wirkt. Nach einem Spaziergang dagegen oder nachdem man ein gutes Buch gelesen hat, fühlt man sich wohl, voller Tatendrang und geht gutgelaunt seiner Arbeit nach. Auch nach dem Besuch eines guten Freundes stellen sich diese positiven Begleitumstände ein. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Lernen“ und „Vorsicht Bildschirm!“.

Chronischer Stress löst gravierende Gesundheitsrisiken aus

Auch auf die Mitwirkung in Vereinen und Gruppen hat der Medienkonsum negative Auswirkungen. Manfred Spitzer erklärt: „Je mehr Medien genutzt werden, desto geringer ist die Teilnahme an Gemeinschaftsaktivitäten in Vereinen und Gruppen.“ Hinzu kommt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien einerseits und dem Auftreten von Stress und Depressionen andererseits gibt.

Manfred Spitzer stellt fest: „Chronischer Stress aufgrund mangelnder Kontrolle über das eigene Leben löst nicht nur mangelnde Immunabwehr, hormonelle Störungen, Beeinträchtigung von Verdauung, Muskulatur, Herz und Kreislauf aus, sondern auch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn.“ Dort wachsen auch beim Erwachsenen im Hippocampus dauernd neue Nervenzellen nach. Stress bewirkt allerdings, dass dort weniger Neuronen neu entstehen.

Schlafmangel führt zu Depressionen

Wenn der Abbau von Nervenzellen im Gehirn den Aufbau neuer Neuronen überwiegt, kommt es zu Beeinträchtigung der Konzentration und des Gedächtnisses beim Betroffenen. Auch chronischer Schlafmangel führt laut Manfred Spitzer zu Depressionen, die wiederum negativ auf den Schlaf einwirken. So entsteht ein Teufelskreis aus gestörtem Schlaf, schlechter Laune und dem Gefühl der Mattigkeit und Niedergeschlagenheit. Manfred Spitzer fügt hinzu: „Übergewichtige Jugendliche leiden zudem unter ihrem Körper, werden stigmatisiert, sozial ausgeschlossen und verfallen ebenfalls leicht in eine Depression.“

Von Hans Klumbies

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