Es ist geradezu offensichtlich, wie seine Motive das Leben eines Menschen bestimmen. Für welche Berufe braucht man ein starkes Machtmotiv? Ingo Hamm nennt Beispiele: „Für alle Berufe mit Personalverantwortung: Vorgesetzter, Lehrer, Pfarrer, Psychologe, Politiker, Kompaniechef.“ Es ist das Brillante an Motiven: Sie sind nicht totzukriegen. Selbst unter widrigsten, nahezu hermetischen Bedingungen lassen sie sich noch marginal befriedigen. Bei den Motiven reicht „a bissel was“ für eine durchschlagende Wirkung. Daneben ist Authentizität Motivfolge. Wer seinen Motiven folgt – oder sie zumindest nicht verleugnet – wird und bleibt authentisch. Menschen folgen nicht dem Sinn, sie folgen ihren Motiven. Wir leben in einer Zeit, die den inneren Antrieb weitgehend abgeschafft hat. Einer Zeit, in der viele Mächtige die Überzeugung pflegen – vor allem im Berufsleben – dass der Menschen extrinsisch, von außen motiviert werden muss. Dr. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.
Motive
Die Rache ist ein äußerst vielfältiges Gefühl
Die Rache ist ein ungemein vielfältiges, nicht völlig durchschaubares und nur in Teilbereichen zu begreifendes Gefühl. Dies trifft auch auf die ihr zugrunde liegenden Ursachen und Motive zu. Reinhard Haller erläutert: „Diese sind oft ganz klar zu erkennen. Manchmal bleiben sie zweifelhaft, manchmal diffus. Nicht selten enthalten sie neben vordergründigen auch verdrängte Komponenten.“ Zu unterscheiden sind – auch bei der Rache – die Motive von den Ursachen, welche die sichtbaren äußeren Faktoren erfassen. Im Gegensatz dazu betrifft die Motivation die innere Seite, also das, was die rächende Person psychisch antreibt und zur Rache verlockt. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich).