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Der Mensch sehnt sich nach Vereinigung

Erich Fromm schreibt: „Sich mit anderen Lebewesen zu vereinigen, zu ihnen in Beziehung zu treten, ist ein gebieterisches Bedürfnis, von dessen Befriedigung die seelische Gesundheit des Menschen abhängt.“ Die tiefste und stärkste Sehnsucht im Leben eines Menschen ist also die nach dem Erleben einer liebevollen Vereinigung, insbesondere mit anderen Menschen, sei es in körperlicher, geistiger oder seelischer Hinsicht oder in allen drei gleichzeitig. Albert Kitzler erläutert: „Sie rührt her von der Erfahrung der Liebe, Geborgenheit und Einheit mit der Mutter im vor- und nachgeburtlichen Lebensstadium.“ Im nachgeburtlichen Stadium kann anstelle der Mutter auch eine andere Bezugsperson treten, zu der das Kind eine tiefe emotionale Bindung aufbaut und starke Resonanz erlebt. Der Philosoph und Medienanwalt Dr. Albert Kitzler gründete 2010 „Maß und Mitte – Schule für antike Lebensweisheit und eröffnete ein Haus der Weisheit in Reit im Winkl.

Im Du erkennt man sein Ich

Beim Zusammensein mit einem anderen Menschen findet eine mehr oder weniger starke Aufhebung der Vereinzelung eines Individuums statt, es spürt und erkennt seine Bezogenheit auf die Welt, die anderen oder sich selbst und fühlt sich aufgenommen, akzeptiert und integriert. Albert Kitzler fügt hinzu: „Wir durchbrechen unsere Isolation, werden größer, wachsen über uns hinaus und erfahren uns als ein Teil von etwas Umfassenderen.“

Albert Kitzler fährt fort: „Wir erleben Resonanz, Anerkennung und Selbstwirksamkeit. In der erfüllenden Begegnung mit etwas oder einem anderen Menschen werden wir uns selbst gewahr. Wir bewegen und berühren etwas, werden bewegt und angerührt.“ In der Handlung, im Bewirken, im Gestalten, im Erschaffen, im Denken begegnet man sich selbst. Stark ausgeprägt ist dies im zwischenmenschlichen Bereich: Im Du erkennt man sein Ich. In der Spiegelung der anderen erfährt man sich selbst.

Erfüllte Liebe ist immer eine Form der Vereinigung

„Ich werde am Du“, schreibt der Religionsphilosoph Martin Buber, „alles wirkliche Leben ist Begegnung. […] Im Anfang ist die Beziehung.“ Erfüllte Liebe ist immer eine Form der Vereinigung. Albert Kitzler stellt fest: „Der Mensch ist bei und mit uns, körperlich, seelisch, geistig oder in allen drei Hinsichten zugleich. Eine Idee, ein Plan, ein Entwurf, der zunächst nur im Kopf war, ist umgesetzt, verwirklicht und Bestandteil unserer körperlichen oder geistigen Lebenswelt geworden.“

Stets kommt dabei etwas überein – Idee und Wirklichkeit –, fällt zusammen, wird erfüllt und stimmig. Was vorher getrennt war, ist nun zusammen. Albert Kitzler erklärt: „Dieses Einswerden findet vor allem im Bewusstsein statt, weshalb es weniger darauf ankommt, ob eine physische Nähe oder körperliche Vereinigung hergestellt wird.“ Wenn man die ersehnte Arbeitsstelle bekommt oder eine Prüfung besteht, hat sich räumlich nichts verändert. Aber im Bewusstsein des Menschen ist eine Sehnsucht oder ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Quelle: „Die Weisheit der Liebe“ von Albert Kitzler

Von Hans Klumbies

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